Zugegeben, die Frage ist etwas provokativ. Doch sie hat ihren Sinn. Denn viele Solo-Unternehmer verhalten sich in der Praxis so, als seien sie das Auto, und vernachlässigen die Aufgaben des Fahrers.
Bevor Sie zu grübeln anfangen, was ich mit dieser Analogie meine, hier die Aufklärung: Viele Solo-Unternehmer identifizieren sich so mit dem, was sie tun, dass ihnen nicht bewusst wird, dass ihr Business etwas von ihnen zu Unterscheidendes ist.
Sie konzentrieren sich auf das „Tun“, ob das Beratung, Coaching, Erbringung von IT-Services, Bedienung von Kunden im Ladengeschäft oder sonst etwas ist. Doch was für das Verhältnis von Fahrer und Auto gilt, gilt auch für das Verhältnis von Unternehmer und Unternehmen:
Der Fahrer lenkt das Auto. Er ist nicht das Auto.
Der (Solo-) Unternehmer lenkt das Business. Er ist nicht sein Business.
Das ist nicht nur eine semantische Unterscheidung, sondern sie hat praktische Konsequenzen. Lassen Sie uns das zunächst am Beispiel des Autos betrachten und dann auf das Solo-Unternehmen übertragen.
Zu den Aufgaben des Fahrers gehören zum Beispiel
- Auswahl des richtigen Gefährts, abhängig davon, was damit erreicht werden soll.
So wie man mit einem Smart zwar gut Arzneimittel ausliefern kann, aber weniger gut große Möbel, so passt nicht jeder Businesstyp zu jedem Geschäftszweck. Als Unternehmer ist es wichtig, Ihr Geschäftsmodell bewusst zu wählen und nicht unbesehen das nachzuahmen, was andere machen.
Ein Beispiel: Sie brauchen nicht zwangsläufig eigene externe Räume, auch wenn viele Ihrer Branchenkollegen diese haben. Ich beispielsweise coache am Telefon und miete für ganztägige Treffen mit Klienten einen Raum.
- das Auto fahrbereit zu machen, so dass es seinen Zweck erfüllen kann.
Auf das Business übertragen, bedeutet das zum Beispiel: die Marktpositionierung und die weiteren Marketingstrategien klar herauszuarbeiten, und die internen Vorbereitungen zu treffen, dass Kunden gewonnen werden können und versprochene Leistung erhalten und dass das Geld pünktlich hereinkommt.
Hier zu schludern, rächt sich ebenso, als wenn Sie versäumen, Benzin oder Öl nachzufüllen.
- das Auto in gutem Zustand zu halten.
Auch für ein Business fallen Wartungsarbeiten an. Die Website muss überarbeitet werden. Neue Software wird angeschafft. Die dauerhafte Qualität der Leistungen muss sicher gestellt werden.
Wenn der Fahrer sich zu wenig um diese Gesamtheit von Aufgaben kümmert, wird er mit dem Auto wenig Freude haben.
Wenn ein Solo-Unternehmer zu wenig Aufmerksamkeit auf die Arbeit am Business lenkt, und stattdessen nur mit dem „Tun“ beschäftigt ist, besteht ebenfalls das Risiko, dass er auf Dauer nicht viel Freude mit dem Business hat.
Genauso wenig wie das Auto von alleine rollt, genauso wenig funktioniert ein Unternehmen auf Dauer, ohne dass sich jemand darum kümmert.
Was sind Sie derzeit: Fahrer oder Auto? Welche Rolle möchten Sie einnehmen? Was ist der erste Schritt dazu?
Bildnachweis: Manfred Ehmer / pixelio.de
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Monika Birkner, Strategieberaterin und Business Transformation Coach, unterstützt Selbstständige und Unternehmer (KMU), ihr Business auf die nächsthöhere Stufe zu bringen und dabei Erfolg, Erfüllung und Sinn zu verbinden.
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8 Kommentare
Liebe Frau Birkner,
Danke, das ist ein guter Vergleich. Ich möchte noch eins hinzufügen.
Eine der Strassensituation angemessene und vorausschauende Fahrweise.
Gilt beim Auto wie beim Business. Auch hier gilt es, gut zu schauen, vorauszuplanen und trotzdem flexibel zu bleiben. Es nutzt auch nichts, mehr aufs Gaspedal zu treten und in Aktionismus beim Business zu verfallen wenn eben die Strasse nicht gut ist oder die Witterungsverhältnisse es erfordern, langsamer und umsichtiger zu fahren.
So kann auch eine langsamere Gangart beim Business oft sehr weise sein. Manches baut man sich damit solider auf.
Ach und noch eins fällt mir ein.
Spaß haben beim Autofahren
weil man ausgeruht und guter Dinge eingestiegen ist. Auch das ist beim Business ein wichtiger Aspekt. Immer wieder Zeiten für die Erholung finden und den Spaß am Business pflegen.
Liebe Frau Birkner, Ihnen ein freudiges, erfolgreiches Neues Jahr,
alles Liebe
Barbara Steldinger
Liebe Frau Steldinger,
danke schön für diese wichtigen Ergänzungen. Das bringt mich auf den Gedanken, warum es keine Business-Führerscheine gibt. Wäre doch durchaus eine gute Idee.
Ein sehr passender Vergleich zum Jahresauftakt, liebe Frau Birkner. Ich finde er hilft auch das eigene Geschäft mit gesundem Abstand zu betrachten. Wenn ein Auto technische Probleme hat, dann nimmt das der Autofahrer ja auch nicht gleich persönlich. Mit dieser Sichtweise kann man viel hemmende Emotionalität rausnehmen und so die Ursachen für Probleme klarer erkennen und Kritik oder Reklamationen besser annehmen . Also weg von: “Mir gelingt eben nie etwas” hin zu konkretem Handeln.
Liebe Frau Tischer,
das ist ein sehr wichtiger Aspekt. Denn wenn man die Dinge zu persönlich nimmt, kann das viel Energie kosten. “Hemmende Emotionalität” finde ich dafür einen sehr schönen Begriff.
Liebe Frau Birkner,
wieder ein perfekter Vergleich von Ihnen, besten Dank!
Gerade in der Arbeit mit Menschen liegt die Gefahr z.B. auch darin sich mit dem Erfolg des Klienten, d.h. das was der der Klient umsetzt, zu identifizieren. Und somit als Gradmesser der eigenen guten oder weniger guten Arbeit zu bewerten. Auch hier gilt: ich bin nicht mein Erfolg. Mein Wert hat auch nichts damit zu tun ob das, was ich anderen vermittle, angenommen oder umgesetzt wird. Oder z.B. im Vertriebsumfeld: ich bin nicht meine Umsatzzahl, mein Wert als Mensch zeigt sich nicht in dem erreichten Umsatzziel. Auch in einer Krankheit: ich bin nicht meine Grippe, meine Krankheit…. dieser Beobachterstatus ist zwar nicht immer leicht, doch sehr hilfreich, um sich nicht komplett in Frage zu stellen, wenn es mal nicht so gut läuft.
Daher ein wunderbarer Vergleich von Ihnen mit dem Auto.
Jeder ist hier in der Eigenverantwortung gefragt im Arbeiten mit anderen. Und das, was zum anderen gehört, auch bei ihm zu lassen. Das halte ich für besonders wichtig. So bleibe ich, genau wie in Ihrem Beispiel, der Lenker des eigenen Autos, des eigenen Erfolgs und mache ihn, im Idealfall, nicht vom Außen abhängig.
Viel mehr ist der Erfolg eher eine Frage des eigenen inneren Magnets- was strahle ich als Persönlichkeit aus, wie bin ich als Mensch, wie stehe ich mit mir und anderen in Beziehung….das ist aus meiner Erfahrung viel wichtiger als blinder Aktionismus. Und oft lässt sich durch eine Bewußtwerdung eigener Einstellungen und Handlungen (sei es auch durch die Beratung, das Coaching mit externen) oder auch durch Änderung der persönlichen Beziehungen viel schneller der berufliche Erfolg verbessern. Und, wenn das Auto symbolisch für meine Persönlichkeit steht, dann bin ich ja immer selbst der Lenker meines Lebens.
Dann kann ich sehen, wenn dort ein Teil defekt ist, wo im Leben ich hier auch einer Wartung bedarf…
Ihnen ein erfülltes, gesundes und glückliches Jahr 2013!
Herzliche Grüße aus Bayern
Jörg Hohlfeld
Lieber Herr Hohlfeld,
auch Ihnen ein in jeder Hinsicht gutes neues Jahr. Und danke schön für diese tiefgründigen Überlegungen, die noch ganz neue Dimensionen eröffnen.
Ich denke, dass gerade diese Identifizierungen, die Sie ansprechen, viel unnötigen Stress verursachen.
Als Coaches haben wir wunderbare Instrumente, um Klienten dabei zu unterstützen, so etwas zu erkennen und aufzulösen.
Meine Erfahrung ist ebenfalls, dass das Innere eine entscheidenden Rolle spielt. Zig-fach habe ich selbst und auch bei Klienten erlebt, dass nie für möglich gehaltene Ergebnisse plötzlich eintraten, nachdem man die inneren Voraussetzungen dafür geschaffen hatte.
Hallo Frau Birkner,
so sollte man nicht nur das Innere seines Autos ab und zu säubern, Abfall entsorgen und die Windschutzscheibe von innen reinigen, um den Durchblick nicht zu verlieren. Pro Monat und mindestens einmal im Quartal könnte das Fach vor dem Steuerknüppel, nenne es mal vereinfacht Ablage
, durchgeguckt werden. Manche Fahrer könnten dies auch mit ihrem Innenleben anstellen. Ideen notieren, Kopf regelmäßig mit Sauerstoff und den Körper mit Bewegung, energie- und vitaminreicher Nahrung versorgen. Öl, Benzin, Frostschutzmittel und defekte Scheibenwischer austauschen… Nicht, dass der Fahrer auf einmal nichts mehr erkennt oder gar liegenbleibt, weil dem Ross der Hafer fehlt!
Grüße
Silke Bicker
Hallo Frau Bicker,
sehr wichtig und allzu oft vernachlässigt, nicht nur im Auto, sondern auch im Unternehmen. Am besten plant man sich diese Aktivitäten konkret in den Terminkalender ein.
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