Auszeit oder Geld verdienen – ein unlösbarer Konflikt?

In mehreren Coachings der letzten Zeit kam der Konflikt zur Sprache, sich einerseits nach einer Auszeit zu sehnen, doch gleichzeitig vor der Notwendigkeit zu stehen, sein Business voranzutreiben und Geld zu verdienen. Das Risiko ist, immer die falsche Entscheidung zu treffen. Muss das sein? Dieser Beitrag zeigt verschiedene Lösungsansätze. 

Typische Lebenssituationen, in denen der Wunsch nach Auszeit auftaucht

Wann entsteht der Wunsch nach einer Auszeit? Besonders häufig erlebe ich ihn in folgenden Situationen:

  • in Zeiten hoher persönlicher Belastungen, zum Beispiel durch Krankheit oder Tod in der Familie, Trennungen, Umzüge, eigene Erkrankung  – oft kommt mehreres zusammen
  • wenn das berufliche Engagement über längere Zeit auf hohem Niveau und/oder mit hohem emotionalen Einsatz geleistet wurde
  • Übergangszeiten, in denen das Bedürfnis da ist, sich zurückzuziehen, in sich zu gehen (die Amerikaner nennen es „Soul Searching“ – ein schöner Begriff, finde ich), Bestandsaufnahme zu betreiben, Neues heranreifen zu lassen und ihm eine Form zu geben.

Der innere Antreiber

Sobald jedoch der Wunsch nach Auszeit auftaucht, meldet sich der innere Antreiber. „Das kannst du nicht machen“ –  „Du musst Geld verdienen, deine Familie ernähren“ – „Eine Auszeit kannst du dir nicht leisten“ sind einige seiner Argumente.

Doch er hat noch mehr auf Lager. „Müßiggang ist aller Laster Anfang“ – so in etwa lassen sich weitere seiner Bedenken zusammenfassen.

Nicht immer geht es um Geld. Auch die Sorge, durch eine Auszeit bei den Kunden in Vergessenheit zu geraten, kann eine Rolle spielen.

Was tun?

Den Konflikt nicht unter den Teppich kehren: Den Konflikt zu ignorieren, ist in der Regel die schlechteste Lösung. Abgesehen von dem Risiko der Überforderung birgt er auch das Risiko, dass man immer unzufriedener wird.

Das Risiko von entweder-oder: Sich spontan auf die eine oder andere Seite zu schlagen, kann dazu führen, dass man während der Arbeit doch nicht ganz bei der Sache ist, sondern immer dieses „Eigentlich würde ich jetzt lieber…“ im Hinterkopf hat, und während der Freizeit mit den Gedanken bei der Arbeit ist.

Welche Möglichkeiten gibt es sonst noch?

Wünsche konkretisieren schafft Lösungsenergie: Ich frage meine Klienten häufig, wie lange denn die Auszeit sein müsste. Die Antworten variieren naturgemäß. Doch schon die gedankliche Konkretisierung schafft Lösungsenergie, statt im scheinbar unlösbaren Problemzustand zu verharren.

Gefühle von den Fakten trennen: Eine weitere Frage geht dahin, zwischen den Fakten und den Gefühlen zu unterscheiden. Das betrifft die objektive finanzielle Situation, die sich ja nun recht eindeutig an Zahlen  festmachen lässt.

Alternative Lösungen prüfen: Das betrifft auch zum Beispiel Möglichkeiten, sich von bestimmten Lasten zu erleichtern. Beispielsweise mögen für die Betreuung kranker Familienangehöriger noch andere Verwandte oder Freunde zur Verfügung stehen. Oder bestimmte Arbeitsaufgaben lassen sich outsourcen. Oder für eine bestimmte Zeit reicht es, wenn man vom Einkommen eines Ehepartners lebt. Oder bestimmte Kosten lassen sich reduzieren.

Relativierung globaler Gefühle: Durch das Konkretisieren wird das globale Gefühl „Mir ist alles zu viel. Mir wächst alles über den Kopf“ relativiert und wiederum Lösungsenergie geschaffen.

Listen führen zu einem Geühl von Kontrolle und Handhabbarkeit: Auch das schriftliche Auflisten alles dessen, was zu tun ist, kann dabei sehr hilfreich sein. Die Situation erscheint mehr unter Kontrolle. Man hat nicht mehr so stark den Eindruck, von allem überflutet zu werden.

Mini-Auszeit: Wenn eine größere Auszeit gerade nicht möglich ist, bedeutet das nicht, dass nicht auch eine kleinere Auszeit in Frage kommt. Schon nach einem verlängerten Wochenende, in dem man wirklich konsequent abschaltet und etwas für sich tut, kann die Welt deutlich anders aussehen.

Grenzen im Home-Office: Gerade für Selbstständige im Home-Office ist darüber hinaus wichtig, klare Grenzen zu schaffen zwischen Arbeit und Freizeit. Die Einführung von Bürozeiten ist eine Möglichkeit dafür.

Hinterfragung der Antreiber: Immer wieder spannend ist es auch, die inneren Antreiber zu hinterfragen. Oft sind es Botschaften, die jemand in der Kindheit aufgesogen hat und die aus der damaligen Situation auch erklärlich sind, doch heute nicht mehr gelten.

Bewusstmachen der eigenen Werte: Sich der eigenen Werte bewusst zu werden und diese von dem trennen zu können, was man von anderen übernommen hat, ist ein wichtiger Schritt, um ein selbstbestimmtes, authentisches Leben zu führen.

Bei dem sein, was gerade ist

Unabhängig davon, wie die Lösung tatsächlich aussieht, gibt es ein Prinzip, das universelle Gültigkeit hat: Bei dem sein, was gerade ist.

Das bedeutet: Während der Arbeit auf die Arbeit konzentrieren und während der Freizeit auf das, was dort gerade ansteht.

Überprüfung des Geschäftsmodells

Die obigen Tipps betreffe kurzfristige Lösungsansätze. Mittel- und langfristig stellt sich die Frage, wie man das Geschäftsmodell gestalten kann, so dass es mehr und mehr möglich ist, die persönlichen Werte – auch im Hinblick auf freie Zeiten – mit den finanziellen Zielen und Notwendigkeiten zu vereinbaren.

Zum Thema Auszeit gibt es gerade auch eine interessante Artikelserie im Zeitblütenblog von Burkhard Heidenberger.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

 

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2 Kommentare

  1. Erstellt am 29. März 2011 um 20:21 | Permanent-Link

    Letztendlich muss man sich intensiv damit auseinandersetzen. Oft ist es doch so das man sich eine Auszeit wünscht, aber wenn sie letztendlich eintrifft einem die Decke auf den Kopf fällt. Auch die vorher so geplanten Projekte sind auf einmal nicht mehr so interessant wenn man kurz davor steht die Sache anzupacken – gerade im Hinblick auf das finanzielle Risiko. Zumindest mir ging es schon öfters so…

    • Erstellt am 30. März 2011 um 18:30 | Permanent-Link

      Das ist ein interessanter Aspekt. Erinnert mich daran, dass die Kirschen in Nachbars Garten (oder waren es Äpfel? :-) ) immer verlockender sind als die, die man selbst hat.
      Was kann man daraus lernen? Sich sorgfältig prüfen, was man wirklich will und klug vorbereiten.

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    Business Transformer, Buchautorin, Strategieberaterin, Unternehmercoach.
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