Erfolg gegen alle Wahrscheinlichkeit

Zwei junge Mädchen, Zwillinge, in der Türkei aufgewachsen, mit 15 Jahren nach Deutschland gekommen, ohne bis dahin Deutsch gelernt zu haben, gegen ihren Willen  einen  typischen Mädchenberuf erlernt, nämlich Friseurin – was kann daraus werden?

Nach üblichen Standards sind die Erfolgsprognosen bescheiden.

Doch die üblichen Standards gelten nicht für die beiden, um die es hier geht. Sie entschließen sich „Wenn wir schon in einem typischen Mädchenberuf arbeiten, dann wollen wir die Besten sein.“

Gestern Abend im Frankfurter Presseclub stellten die beiden Zwillinge Hatice Nizam und Ayse Auth sich und ihr Unternehmen Haarwerk vor. Sie haben den Sprung in die TOP-Liga geschafft, führen exklusive Salons in Frankfurt und München, haben Celebrities unter ihren Kundinnen, erscheinen in den Medien, machen gute Gewinne – und wirken dabei doch ganz natürlich.

Die Veranstaltung wurde von Iku.Net organisiert, einem noch recht jungen Netzwerk für interkulturelle Unternehmerinnen, und von dessen Präsidentin Işınay Kemmler souverän moderiert.

Hier ein paar Notizen, die ich mir während der Interviews gemacht habe, in loser Reihenfolge mit persönlichen Kommentaren dazu. Eine der beiden Schwestern, Ayse Auth, hat auch ein Buch veröffentlicht mit dem ungewöhnlichen Titel „Freiheit schmeckt wie Tränen und Champagner“. Ich habe es noch nicht gelesen, doch bin schon sehr neugierig darauf.

Vielleicht machen die folgenden Notizen mit den persönlichen Anmerkungen von mir Sie auch neugierig:

  • Am Anfang stand eine Vision. – Während viele Menschen den Blick fest auf ihre Probleme richten, richten erfolgreiche Menschen den Blick auf das, was sie erreichen wollen. Nicht nur das: Sie verbinden sich emotional damit und arbeiten dann dafür, bis sie es erreicht haben.
  • Harte Arbeit. – Nur eine schöne Vision reicht nicht. Ohne eigene Aktivität wird sie sich nicht verwirklichen. Was die beiden Haarkünstlerinnen aus ihrem Alltag berichteten, ließ sicherlich bei der einen oder anderen Zuhörerin die Frage aufsteigen, ob die beiden doppelt so viel Stunden am Tag zur Verfügung haben wie Normalsterbliche. Gleichwohl wirkten beide recht entspannt.
  • An Ängsten kann man arbeiten. – Vor Ängsten ist kaum jemand gefeit. Aber: Erfolgreiche Menschen gehen anders damit um. Sie lassen sich davon nicht bremsen. Interessant waren in diesem Zusammenhang auch die Aussagen der beiden Unternehmerinnen, dass sie, wenn sie gescheitert wären, einen neuen Weg gefunden hätten.
  • Entschiedene Positionierung. – Von Anfang war klar, dass sie Schönheit, Mode, Luxus, Wohlgefühl verkaufen wollten, nicht  nur einen neuen Haarschnitt. Der heutige Trend zum Erlebnis bestätigt, dass sie damit von vornherein auf der richtigen Welle lagen.
  • Geschickte Zielgruppenwahl. – Mütter mit Töchtern sollten es sein. Der Vorteil: Affinität zu den Leistungen. Außerdem werden dadurch Verkäufe im Doppelpack möglich, weil beide sich gegenseitig „anstecken.“
  • Von vornherein groß denken, nicht erst klein anfangen. – Das scheint mir ein ganz besonders wichtiger Aspekt  zu sein. Er kann zu grandiosen Fehlschlägen führen, wenn das große Denken nicht durch entsprechende Leistungen untermauert wird. Und er kann wesentlich schneller zum Erfolg führen, wenn alles stimmt. Klein anzufangen birgt in sich die Gefahr, aus dieser Positionierung nicht wieder heraus zu kommen, sondern darin stecken zu bleiben, sofern man nicht eine sehr klare Strategie für das weitere Wachstum hat.
  • Das Preis-Leistungs-Verhältnis zählt.  – Sowohl für den Dialog mit sich selbst wie für die Kundenakquise ist es wichtig, nicht isoliert auf den Preis zu starren, sondern die Gesamtheit des Preis-Leistungs-Verhältnisses ins richtige Licht zu rücken.
  • Nie aufhören, neue Kunden zu gewinnen. – Auch wenn es viele Stammkunden gibt, reicht es nicht, sich auf diesem Polster auszuruhen. Denn es gibt immer einen „natürlichen Schwund“ von Kunden, die sterben, wegziehen, keinen Bedarf mehr haben oder ihn anderweitig decken.
  • Nie aufhören zu lernen. – Diese Haltung finde ich immer faszinierend. Und sie ist besonders oft bei sehr erfolgreichen Menschen zu finden, die es – nach den Maßstäben anderer – gar nicht mehr nötig hätten. Doch erfolgreiche Menschen scheinen das Lernen zu lieben.  Und sie wissen, wie sie es nutzen können, um noch erfolgreicher zu  werden. Es gibt auch eine Gruppe von Menschen, die lernen und lernen und lernen – eine Ausbildung nach der anderen -, ohne je irgendetwas umzusetzen. Sie scheinen nur ein inneres Defizit zu füllen.
  • Aus positiven Erfahrungen lernt man am besten. – Oft meinen wir ja, aus Misserfolgen das meiste zu lernen. Sehr nachdenkenswert fand ich die Aussage, aus positiven Erfahrungen Mut zu gewinnen.
  • Immer neue Ziele setzen. – Erfolg ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Man ist nie „angekommen“. Jeder Erfolg bietet eine Plattform für weiteres Wachstum persönlich wie unternehmerisch. Manche Menschen haben Angst vor dem Erfolg, weil sie sich fragen, was danach kommt, was überhaupt noch kommen kann. Oft sieht man am Anfang die neuen Möglichkeiten noch nicht. Man sieht sie erst, wenn man auf der nächsten Plattform angelangt ist.

Also: Haben Sie Mut zum Erfolg.

Welche Erfahrungen haben Sie mit den genannten Prinzipien? Welche Meinung haben Sie dazu?

Alle 10 bis 14 Tage neu: Mein Business Transformation Letter.

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2 Kommentare

  1. Erstellt am 14. Juli 2010 um 07:50 | Permanent-Link

    Guten Morgen Frau Birkner, schön, dass wir uns bei der IKU.NET Veranstaltung getroffen haben. Auch ich habe gestern über das Zwillingspaar im Blog geschrieben. Vieles was die beiden ansprachen und umsetzen, kenne ich aus meiner eigenen Selbständigkeit: Das Dran-bleiben, das Weiter-Machen, das Aus-Probieren … Hier ist der Link zu meinem Beitrag über die beiden sympathischen Frauen:
    petraschuseil.wordpress.com/2010/07/13/m…

    Treffen wir uns im Salon HaarWerk?

  2. Erstellt am 14. Juli 2010 um 15:57 | Permanent-Link

    Liebe Frau Schuseil,
    auch ich habe mich sehr über das Wiedersehen gefreut – dem ja noch einige folgen können.
    Danke für den Hinweis auf Ihre “Nachlese” zu der Veranstaltung. Ich habe dort sofort einen interessanten Satz gefunden (s. dazu mein Kommentar zu Ihrem Artikel).

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