Manchmal habe ich den Eindruck, dass Menschen, die berufliche Aktivitäten mit Spiritualität verbinden wollen, sich davon erhoffen, künftig keine Probleme mehr zu haben. „Es soll leicht gehen” höre ich häufig als Wunsch. Doch die Erfahrung zeigt, dass gerade spirituelle Menschen streckenweise mit erheblichen Herausforderungen zu kämpfen haben. Ist das nicht ungerecht? Haben solche Menschen nicht verdient, dass ihnen die Steine aus dem Weg geräumt werden?
Wer so denkt, wer meint, ein Anrecht auf ein leichtes Leben zu haben, wenn er seine spirituelle Seite entwickelt, verwechselt nach meinem Verständnis etwas. Im Grunde liegt dem ein – meist unbewusster – Glaubenssatz oder eine – ebenfalls meist unbewusste -Wunschvorstellung zugrunde, dass alles nach dem eigenen Willen geht. Um es überspitzt auszudrücken: Dass das Universum ein williger Diener ist, einem jegliche Wünsche zu erfüllen und sämtliche Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Oder noch anders gesagt: Dass alles sich nach den Wünschen des Ego richtet.
Dem steht ein anderes Konzept gegenüber, das in den Worten „Aber nicht mein, sondern Dein Wille geschehe” zusammengefasst ist. Dieses Konzept bedeutet anzuerkennen, dass es eine größere Kraft gibt und dass diese Kraft den besseren Überblick hat, was für den Einzelnen oder die Einzelne in der jeweiligen Situation das Beste ist. Maßstab dafür, was das Beste ist, ist nicht unbedingt der weltliche Erfolg, sondern die seelische Entwicklung, wobei weltlicher Erfolg nicht ausgeschlossen ist.
Doch die Reihenfolge ist anders, als viele vielleicht meinen.
Die Herausforderungen des täglichen Lebens sind Teil der spirituellen Entwicklung und fördern diese. Durch Meditation und den Gebrauch aller uns zur Verfügung stehenden Fähigkeiten finden wir den Weg, die Herausforderungen zu bestehen. Wir können darauf vertrauen, dass – was immer geschieht – wir in der Lage sind, die Schwierigkeiten zu bewältigen, dass unsere Kraft größer ist als das jeweilige Problem und dass wir in jedem Moment die nötige Unterstützung finden.
Das hat dann in der Tat etwas von Leichtigkeit, wenn auch vielleicht in einem etwas anderen Sinne. Wer sich mit seiner inneren Führung verbindet, braucht nie zu verzagen. Er erhält immer Hilfe. Doch er muss auch selbst etwas tun. Einfach zu warten, dass der Weg freigeräumt wird und man leicht und bequem durchs Leben schlendern kann, funktioniert nicht.
Sich von dem Wunsch zu verabschieden, dass alles mühelos gehen soll, mag nicht angenehm sein. Das Ego sträubt sich dagegen, unter Umständen sehr vehement. Doch das Ego ist ein schlechter Ratgeber.
Sich mit dem Willen zu verbinden, der das höchste Wohl für einen selbst wie für andere im Sinn hat, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg der persönlichen und spirituellen Reifung und zu einem Erfolg, der weit über materiellen Erfolg hinausgeht und gleichwohl diesen einschließen kann.
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5 Kommentare
“Die Kultur, in der wir leben, prägt uns, aber wir tragen die Keime der Prägung schon in uns, wohin wir auch gehen. Alles, was uns bedrückt, ist in Wirklichkeit in uns selbst. Wir machen unsere Umgebung und Lebensumstände für unser Unglück verantwortlich und glauben, wenn wir diese ändern könnten, wären wir glücklich. Doch unsere Situation ist nur sekundär. Primäre Ursache ist die angeborene Unwissenheit und der daraus entstehende Wunsch, die Dinge anders zu möchten als sie sind….” (T.W. Rinpoche)
meine persönliche entwicklung zeigt(e) mir: grosse “schwierigkeiten” bringen ein viel an ent-wicklung… und mir ist ad hoc niemand bekannt, deren/dessen spiritueller weg “ein-fach” gewesen wäre… ist was dran, an dem per aspera ad astra…
Der spirituelle Weg ist einfach? Für mich ist er oft mit sehr schmerzhaften Erfahrungen verbunden gewesen. Beginnt doch dieser Weg unabdingbar mit dem “gnothi seauton”, dem “erkenne dich selbst” und allein das ist nicht einfach. Geholfen hat mir u.a. nicht mehr nach dem “warum” zu fragen, sondern nach dem “wozu”. Der spirituelle Weg ist zwar für mich ein langsamer Prozess, aber die Entwicklung zum inneren Frieden, dem wahren Selbst und der Berufung, sowie die Hinwendung zur Liebe ist für mich einfach faszinierend.
Liebe Frau Dr. Schons, lieber Herr Lalk,
ja, genauso habe ich es auch immer erlebt. “Schwierigkeiten” als Entwicklungsweg, der uns mehr und mehr dazu führt, innere Qualitäten zu erfahren. Danke, dass Sie Ihre Erfahrungen geteilt haben.
Dem Leben liegt eine Leichtigkeit und eine Schwermut zugrunde, die unausgeglichen ist. Die Balance zu finden, ist ein Weg. Meine Spiritualität entstammt aus meiner Stärke, meiner Zuversicht, meiner Würde mir und anderen gegenüber, wird im Leben jedoch immer wieder auf die Probe gestellt. Es gibt machtvolle universelle Prinzipien, die gelten einfach…werden aber auch von Menschen verletzt.
Liebe Frau Fielitz,
Balance als Weg – der Schwebebalken kommt mir dazu in den Sinn. Den eigenen Weg zu gehen, erfordert Konzentration und Achtsamkeit.