Vorgestern habe ich die ersten beiden Herausforderungen beschrieben, denen sich im neuen Jahr – und vermutlich darüber hinaus – Solo-Unternehmer und Selbstständige ausgesetzt sehen, die Sinn und Erfolg miteinander verbinden wollen. Heute geht es um zwei weitere.
Die ersten beiden Herausforderungen waren:
I. Fels in der Brandung – Innere Kraft trotz äußerer Widrigkeiten
II. Keine zwei getrennten Leben mehr – Spiritualität im Business
Die heute behandelten Herausforderungen betreffen Marketing und Kundenbeziehungen.
III. Marketing - authentisch, respektvoll und effizient
Immer mehr Menschen entwickeln Widerwillen gegen bisherige Techniken des Marketings. Das gilt vor allem für ein rein taktisch-manipulatives Marketing, das die Kunden wie Pawlowsche Hunde behandelt und auf primitive Reiz-Reaktionsmuster setzt, um zum Kauf zu animieren. Kunden, die dieser Behandlung überdrüssig sind, reagieren nicht selten mit Enthaltung.
Für Unternehmer und Selbstständige ist Enthaltung keine Option. Der Lärmpegel auf dem Markt steigt stündlich und es kostet immer mehr Anstrengung, darin wahrgenommen zu werden. Solo-Unternehmer und Selbstständige mit begrenzten zeitlichen und finanziellen Ressourcen sind in diesem Wettkampf mehr und mehr im Nachteil.
Für diese Unternehmer mag es zunehmend wie eine Quadratur des Kreises erscheinen, ein Marketing zu betreiben, das gleichzeitig authentischen Ausdruck erlaubt, respektvoll gegenüber den Kunden und effizient in Bezug auf den Einsatz der Mittel und deren Wirkung ist. Gleichzeitig ist es eine große Chance, auch in dieser Hinsicht den eigenen Weg zu finden, ohne dabei das klassische Marketing in Bausch und Bogen zu verwerfen.
Neue Perspektiven zeichnen sich ab. Beispielhaft sei hier erwähnt, äußere Aktivitäten mit energetischer Arbeit zu verbinden (s. dazu meine 40-Tage-Experimente). Immer wichtiger wird werden, Marketing als Beziehungsarbeit zu verstehen, die langfristig angelegt ist und ebenso regelmäßiger Pflege bedarf wie private Beziehungen. In diesem Rahmen ist Authentizität nicht nur möglich, sondern sogar erwünscht. Blogs und soziale Netzwerke bieten neue Foren. Es wird spannend werden, wie diese Entwicklungen weiter gehen und wie sie weiter genutzt werden. Eins steht fest: Es gibt viel Raum für Kreativität.
Nutzen Sie ihn.
IV. Wunschkunden – eine Illusion in wirtschaftlich turbulenten Zeiten?
Jede/r Selbstständige kennt die Erfahrung, dass die Zusammenarbeit mit bestimmten Kunden einfacher ist, mehr Freude macht und in der Regel auch mehr einbringt als im Normalfall. Und dass es andere Kunden gibt, bei denen genau das Gegenteil der Fall ist.
In den letzten Jahren ist eine Tendenz zu erkennen, sich bewusster und gezielter um die Wunschkunden zu bemühen. Gilt das auch dann, wenn die Zeiten möglicherweise schwieriger werden? Oder lautet das Motto dann, jeden Auftrag anzunehmen, koste es, was es wolle?
Sicher lässt sich das nicht allgemeingültig beantworten. Jede Situation hat ihre Besonderheiten und jede/r muss für sich in der jeweiligen Situation eine Entscheidung treffen.
Die Frage ist dabei, worauf der Fokus liegt. Liegt er auf dem Mangelgedanken, unbedingt auf einen bestimmten Auftrag angewiesen zu sein? Oder liegt der Fokus darauf, wie Sie mit den Ihnen zur Verfügung stehenden Talenten, Erfahrungen und sonstigen Merkmalen den größten Wert für andere schaffen können? Wer kann am meisten von Ihren Leistungen und der Zusammenarbeit mit Ihnen profitieren? Wie viele andere Menschen sind noch davon betroffen und in welcher Weise? Wie können Sie für den Menschen, mit dem Sie gerade zu tun haben, den größten Wert schaffen? Manchmal tun Sie jemandem einen größeren Gefallen, wenn Sie ihn zu einem Wettbewerber schicken.
Der Begriff „Wunschkunde” weckt möglicherweise Assoziationen an Gelegenheiten, wo man einen Wunschzettel schreibt. Doch es geht nicht um Wünsche ans Christkind, um etwas zu bekommen. Es geht darum, was Sie zu geben haben und wie Sie damit am meisten bewirken. Für den einen oder anderen geht es möglicherweise sogar darum, die Perspektive noch mehr zu erweitern. Er oder sie hat möglicherweise nicht nur einzelne Kunden im Blick, sondern möchte mit seiner Arbeit und seinem Unternehmen etwas in einem größeren Maßstab bewirken und grundlegende Probleme unserer Zeit lösen oder transformieren helfen.
Was auch immer kommt – denken Sie (in Abwandlung des berühmten Zitates von John F. Kennedy) nicht in erster Linie an das, was Ihre Kunden für Sie tun können, sondern was Sie für die Kunden tun können.
Die weiteren Herausforderungen stelle ich in den nächsten Tagen vor.
Alle 10 bis 14 Tage neu: Mein Business Transformation Letter.












4 Kommentare
in meinem beruf greift das abgewandelte kennedy zitat per se. wir sind für die patient/innen da. auch wenn die aktuelle politik das mehr und mehr zu verhindern sucht. dank ihrer artikel und anregungen, liebe frau birkner, wird mir grad klar, daß ich -obschon zur von politik und mainstreampresse zur “prügelknabenkaste” degradiert wurde- einen prädestinierten, priveligierten beruf ausübe, was herausforderungen und persönlichkeitswachstum anbetrifft. monetär gings mir in den meisten sogar un-akademischen berufen monetär erheblich einträchtiger – aber moralisch fühle ich mich so wesentlich besser.
als ärztin kann ich ob der juristischen imponderabilien kaum marketing betreiben. aber ich kann bloggen. das geht zwar querbeet unbd ist auch kein corporateblog. aber mein blog spiegelt mich und meinen ansatz. authentisch und effizient. das bringt mir fast jeden tag einen neuen wunschkunden..
Wunschkunden – das klingt sehr auf mich als Anbieter bezogen. Nach meiner Erfahrung sind das jedoch auch die Menschen, denen ich den größten Nutzen bieten kann. Was passt, passt eben. Und wenn ich mich für einen Kunden verbiege, wird es für den Kunden auch verquer.
Danke für Ihre immer wieder bereichernden Denkanstöße!
Liebe Frau Dr. Schons,
ich glaube, für jeden Selbstständigen ist es gut, sich von Zeit zu Zeit wieder darüber klar zu werden, worum es eigentlich in der Essenz geht, auch wenn äußere Einflüsse – nicht zuletzt seitens des Gesetzgebers, s. dazu auch mein heutiges Posting zur Pflichtablieferungsverordnung – das temporär verdecken mögen. Gerade bei Ihrem Engagement nicht nur beim Bloggen, sondern auch in Ihrem Beruf, freut es mich umso mehr, dass immer neue Wunschkunden zu Ihnen finden. Mögen es im neuen Jahr noch viel mehr werden.
Hallo Herr Lemke,
Sie haben es schön auf den Punkt gebracht: “Was passt, passt eben”. Viele Wunschkunden im neuen Jahr für Sie.