Wer sich auf Prognosen einlässt, betritt in der Regel unsicheres Terrain. Überraschungen und Diskontinuitäten sind an der Tagesordnung. Gleichwohl gibt es langfristige Entwicklungsströme. Aus den Erfahrungen meiner Arbeit heraus sehe ich für Solo-Unternehmer und Selbstständige, speziell für solche, die Sinn und Erfolg verbinden wollen, sieben besondere Herausforderungen. Die ersten zwei stelle ich heute vor, die restlichen in den nächsten Tagen.
I. Fels in der Brandung – Innere Kraft trotz äußerer Widrigkeiten
Die erste Herausforderung besteht darin, sich von äußeren Geschehnissen nicht aus der Bahn werfen zu lassen. Ihre mentale und emotionale Kraft, Ihre positive Energie – das sind wichtige, wenn nicht sogar Ihre wichtigsten Ressourcen. Diese Ressourcen zu stabilisieren und weiter auszubauen, wird eine vordringliche Aufgabe im neuen Jahr sein.
Unabhängig davon, wie gut es Ihnen persönlich und Ihrem Business derzeit geht, sind Sie der Dauerberieselung durch negative Mediennachrichten sowie den Ängsten Ihrer Mitmenschen ausgeliefert, vielleicht sogar im engsten Umfeld. Diese Einflüsse zehren an Ihrer Energie, möglicherweise lange unbemerkt.
Wenn dann eventuell noch Umstände hinzukommen, die Sie selbst beziehungsweise Ihr Business tangieren, kann es schnell um die innere Ruhe und Gelassenheit geschehen sein.
Entwickeln Sie bewusst Ihre innere Stärke. Achten Sie darauf, wer oder was Ihnen Energie entzieht und steuern Sie gegen. Ein guter Schutzwall entsteht durch die Verbindung mit Menschen, die selbst daran interessiert sind, zwar realistisch, aber konstruktiv die Zukunft zu gestalten.
II. Keine zwei getrennten Leben mehr – Spiritualität im Business
Laut einer Studie der Identity Foundation von 2006 ist jeder siebte Deutsche ein spiritueller Sinnsucher. Der Anteil mag mittlerweile noch zugenommen haben. Das hängt zum Teil mit den äußeren Unsicherheiten zusammen. Diese motivieren viele Menschen, sich nach innen zu orientieren. Auch das Älterwerden unserer Gesellschaft insgesamt wie der Einzelnen spielt eine Rolle. Damit einher gehen deutliche Werteverschiebungen.
Auch in der Wirtschaft macht sich zunehmend der Wunsch bemerkbar, nicht mehr zwei getrennte Leben zu führen, eins als spirituelle Privatperson und eins als hartgesottene Businessperson, sondern in alle Aktivitäten die gesamte Persönlichkeit einzubringen. Solo-Unternehmer, bei denen Business und Leben eine enge Symbiose eingehen, erleben das womöglich noch intensiver als jemand mit einem „Job”, von dem er sich in der Freizeit distanzieren kann.
Mittlerweile stehen immer mehr Selbstständige vor einem „spirituellen Coming-out”, das sich entweder darauf bezieht, sich erstmals als spiritueller Mensch nach außen zu zeigen, oder in einer stärkeren Intensität und Tiefe.
Dieser Prozess ist für viele mit erheblichen Ängsten verbunden. Die Befürchtungen gehen – durchaus nachvollziehbar – dahin, in einer Weise etikettiert zu werden, die mit den eigenen Werten wenig zu tun hat, aber für andere ein Grund zur Distanzierung ist. Wenn daran nicht nur persönliche Beziehungen hängen, sondern auch Geschäftsergebnisse, bekommt das spirituelle Coming-out noch mehr Gewicht.
Irgendwann ist eine klare Entscheidung nötig, denn die Heimlichkeit kostet Energie und wird zudem auf bestimmter Ebene auch von anderen wahrgenommen. Klarheit muss aber nicht totale Selbstentblößung bedeuten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Spiritualität so zu „verpacken”, dass Sie damit selbst authentisch sein und gleichzeitig den Rapport zu Ihren Kunden behalten können.
Soweit zu den ersten beiden Herausforderungen, denen sich viele Solo-Unternehmer und Selbstständige in nächster Zeit gegenüber sehen. Die restlichen fünf folgen in den nächsten Tagen.
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9 Kommentare
Es ist in der Tat nicht einfach, seine Spiritualität ins Geschäftsleben einzubringen. Bei mir war und ist auch jetzt oft noch so, dass schmerzhafte Erfahrungen damit verbunden sind. Aber die nehme ich in Kauf. Insgesamt aber zeigen sich auch nach Außen positive Ergebnisse. Wir merken immer mehr, wie gerne z.B. Lieferanten und Kunden nicht nur kommen, sondern lange bleiben, weil sie sich wohlfühlen, weil sie merken, dass wir nur an Win-Win Beziehungen interessiert sind und versuchen, fair zu sein. Spiritualität im Business bedeutet für mich aber nicht, ein Weichei zu sein, deshalb kann ich gut nachvollziehen, dass immer mehr Führungskräfte ihre persönliche Spiritualität in ihr Business integrieren.
Ich muß auch meine Spiritualität weder verbergen noch verpacken, wenn ich authentisch bleiben will.
Sonst geht es mir so, wie Sören kierkegaard es einmal sinngemäß beschrieben hat:
“Sehnsüchtig grüßt der, der ich bin, den der ich sein möchte”.
Lieber Herr Lalk,
danke schön für Ihre Stellungnahme. Mit “verpacken” meine ich nicht “verbergen”. Sondern ich meine, den anderen da abzuholen, wo er steht, wie wir es bei jeder Art der Kommunikation machen (zumindest im Idealfall). Abhängig vom Background und der Situation kann man den gleichen Sachverhalt unterschiedlich benennen bzw. beschreiben, um an den Erfahrungshorizont des anderen anzuknüpfen.
Liebe Frau Birkner,
mein Kommentar sollte nicht als Kritik verstanden werden, sondern als Hinweis, dass Führungskräfte oft Problme haben, Ihre Spiritualität nach Außen zu kommunizieren.
Sehr interessant und unbedingt lesenswert für Führungskräfte und Selbständige ist das Buch von Michael Fromm “Führen aus der Mitte”.
Lieber Herr Lalk,
danke schön. Ich hatte den Beitrag nicht als kritik verstanden, sondern als Bereicherung. Danke auch für den Buchhinweis.
Spannende Punkte, die Sie da ansprechen.
Fels in der Brandung: Da ich mir all die Krisenmeldungen in Zeitung und Fernsehen nicht reinziehe, tangiert es mich auch nicht sonderlich. Natürlich bekomme ich die Losung trotzdem mit, habe da aber immer schon eher so eine Haltung gehabt: “Jetzt erst recht!”
Oder wie ich in meinem letzten NL schrieb, sind Krisen für kreative Menschen eher ein Anlass, besonders kreativ zu sein:-).
Das habe ich bei persönliche Krisen genauso erlebt.
Zudem habe ich immer wieder gesehen: es gibt immer Nischen, wo Menschen es schaffen, auch in Krisenzeiten ein super Geschäft aufzubauen. Und der 1. Punkt dabei ist sicher, sich nicht irre machen zu lassen und natürlich etwas zu tun, was die Menschen wirklich brauchen.
Spiritualität im Business
ist natürlich ein ganz besonders sensibler Punkt. Ich hatte es lange für mich persönlich (scheinbar) getrennt: in meinem Privatleben mache ich Yoga und Meditation, in meinen Seminaren biete ich die Kreativitätsmethoden an!
Aber es fängt ja schon mit meinem Namen an, den ich auch als Firmenname habe. Da fragt mich natürlich jeder sofort…
Dann baue ich morgens durchaus als Tageseinstieg Yogaübungen ein – was man aber auch als “reine Gymnastik” sehen könnte.
Irgendwann habe ich dann begriffen, dass Spiriutalität im Business nicht unebdingt heißt, mit meinen Teilnehmern zu meditieren (was sicher nett wäre
, sondern mehr eine bestimmte Grundhaltung der Arbeit und den Menschen gegenüber beinhaltet.
Und habe zudem erlebt, dass es irgendwie doch immer “durchscheint”, auch wenn ich faktisch gerade nur Zeitmanagement- Methoden vermittele. In den Pausen sprechen mich dann Teilnehmer trotzdem auf ganz andere Themen an und zeigen sich an spirituellen Fragen interessiert.
Damit sind wir bei einem noch anderen Thema, den idealen Kunden. Unbewusst zieht man wohl wirklich oft die Menschen an, die genau das wollen, was man vordergründig anbietet, aber auch als ganze Person ausstrahlt.
Da ich zudem ja auch immer sehr offen bin und viel von mir als Person zeige, habe ich oft die Rückmeldung bekommen, dass ich authentisch wirke. Und damit auch Menschen sich Dinge anhören oder neugierig darauf werden, die sie normalerweise abgelehnt hätten.
Wobei ich wirklich nicht die Absicht habe, Menschen für irgendetwas zu missionieren. Für mich ist es schon wichtig, wenn jemand “Kreativität” bucht, dass er genau das auch bekommt.
Ausnahme ist das Türkei- Seminar, wo ich nachmittags auch andere Elemente einbaue, wie Mandalas in der Natur- aber das ist freiwillig und wer damit nichts anfangen kann, muss es auch nicht machen (bisher waren aber immer alle ganz begeistert).
Ich hoffe, es ist klar, wie ich das meinte…???
Herzliche Grüße
Zamyat M. Klein
Noch ein Nachschlag:
mir ist schon öfter passiert, dass Teilnehmer etwas “esoterisch” finden (was dann aber negativ gemeint ist), nur weil es ihnen fremd ist. So beispielsweise meine Webseite- wo ich nix über Spiritualität stehen habe, sondern Seminarmethoden. Aber sie ist eben etwas bunter, mit vielen Fotos, z.T. auch verrückter… Aber was hat das mit “Esoterik” zu tun (was ja wohl “Geheimwissen” heißt, was man demzufolge nicht auf einer Webseite veröffentlichen würde…).
Da habe ich also durchaus schon Ängste erlebt, was aber wohl mit dem Ur- Stress- Mechanismus zusammenhängt, dass alles Angst macht, was fremd ist (wenn man es nicht wie ich gerade schön exotisch findet).
Dann fiel mir noch ein, dass ich beispielsweise eine Kreativitätsmethode entwickelt habe, bei der die TN aus dem Hotel gehen, entweder in die Natur oder in der Stadt.
Da habe ich am Anfang eingebaut, dass sie 10 Minuten sehr langsam und bewusst gehen sollen, nur auf Körper, Atem usw. achten und ihrer inneren Stimme folgen.
Nach 10 Minuten lesen sie dann die 1. Aufgabe…
Das könnte man vielleicht als “spirituelle” Einlage verstehen (Kinhin vom Zen)- aber es ist erwiesenermaßen so, dass Entspannung und “vom Problem entfernen” Grundprinzipien für Kreativität sind und anschließend die Ideen besser sprudeln.
Ist es dann also eine Kreatechnik oder eine spirituelle Übung??
Wahscheinlich bringe ich doch viel mehr solcher Elemente in meine Seminare als mir bewusst ist, weil es für mich alles seit Jahrzehnten “normal” und hilfreich ist – und für andere ist es der exotische Blumenstrauß??
Fragende Grüße
Zamyat M. Klein
Liebe Frau Klein,
sie schreiben:
“Damit sind wir bei einem noch anderen Thema, den idealen Kunden. Unbewusst zieht man wohl wirklich oft die Menschen an, die genau das wollen, was man vordergründig anbietet, aber auch als ganze Person ausstrahlt.”
Genau diese Erfahrung habe ich in meinem Berufsleben immer wieder gemacht. Und diese “idealen” Kunden sind die, zu denen vertrauensvolle, langjährige Verbindungen entstanden sind, die sogar in Freundschaften endeten.
Ich handel mit Baumaschinen, eine Branche, die in den letzten Jahren nicht gerade von der Konjunktur verwöhnt wurde. Das Negative in Kundengesprächen überwog, dazu Gestöhne und Gejammere.
Ich habe gelernt, dass es besser ist, auch einmal einen Schnitt zu machen, wenn man merkt, dass solch ein Kunde einem einfach nicht gut tut.
Und zu den “10 Minuten”: Ich mit Mitglied eines Diskussionskreises, der bevor das erste Wort ergriffen wird, 15 Minuten schweigt. Anfangs kamen wir 15 Minuten wie eine halbe Stunde vor, heute genieße ich das Schweigen VOR und NACH der Diskussion.
Liebe Frau Klein,
die Anziehungskraft, die wir ausüben, das, was wir ausstrahlen, sollten wir in der Tat nicht unterschätzen. Andere Menschen nehmen – zumindest auf einer unbewussten Ebene – viel mehr wahr, als wir uns vorstellen können. Und wenn andere den Eindruck haben, einen authentischen Menschen vor sich zu haben, schafft das Vertrauen. Wenn andere hingegen den Eindruck haben, dass es noch etwas Unausgesprochenes gibt, verhalten sie sich möglicherweise reserviert. Auch das spricht dafür, die spirituellen Aspekte nicht außen vor zu halten, sondern auf irgendeine Weise zu integrieren.
In meiner Sichtweise haben Kreativität und Spiritualität sehr viel miteinander zu tun. Ich betrachte Kreativität als eine Art “Leitung” zum Universum, durch die neue Ideen und Impulse fließen. Außerdem hat Kreativität für mich nicht nur dmit dem Auftauchen neuer Ideen zu tun, sondern auch mit dem kreativen Prozess, dem Schöpfungsprozess, den es in vielen Ausdrucksformen gibt. Letztlich ist das kreative Talent damit ein “Ableger” der universellen Kreativität und Schöpfungskraft, die immer wieder Neues schafft und Überholtes zerstört.
Und dazu passt es dann auch gut, in Krisenzeiten gerade auf diese Kraft zu vertrauen.
Lieber Herr Lalk,
es gibt sicher Situationen, in denen ein Schnitt sinnvoll ist. Es mag anfangs Mut dazu gehören. Doch eine unserer wichtigsten Aufgaben ist, für unsere eigene positive Energie zu sorgen. Wenn man nach Gesprächen mit bestimmten Menschen erst einmal zwei Stunden braucht, um sich selbst wieder aufzuladen (um nur einmal ein Beispiel zu nennen), denke ich, dass wir uns besser anderen Kunden zuwenden sollten. Denn es ist unser Energiezustand, der für die Anziehungskraft eine große Rolle spielt. Und wir wollen ja mehr von den Wunschkunden anziehen und weniger von den anderen Kunden.
Die Schweigeerfahrung finde ich sehr, sehr spannend.
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