Klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit?

“Mitten am Tag ins Café gehen zu können und am Abend zu arbeiten, wenn mir danach ist” habe ich schon häufig als einen Vorteil der Selbstständigkeit gehört, namentlich von Gründern. Ist man erst einmal eine Weile im Geschäft, ist die Klage eher, zu wenig Trennung zwischen Arbeit und Freizeit zu haben. Da ich auch für mich selbst immer wieder überprüfe, was für mich der richtige Weg ist, fand ich eine Frage von Sylvia Loehken spannend, die sie heute bei Twitter stellte: ob es nämlich vernünftig ist, eine Trennungslinie zwischen Arbeitszeit und Freizeit zu ziehen? Nicht alles lässt sich in 140 Zeichen ausdrücken. Daher schreibe ich hier noch ein bisschen mehr dazu.

Ich bin mittlerweile für mich zum Ergebnis gekommen, dass eine saubere Trennung zwischen Arbeit und Freizeit höchst wünschenswert ist. In meiner Twitter-Antwort habe ich es so zusammen gefasst: Nach produktiver Arbeit genieße ich meine Freizeit mehr, nach produktiver Freizeit genieße ich meine Arbeit mehr.

Wenn ich keine klare Trennung habe, bin ich in Gefahr, weder das eine noch das andere richtig zu genießen und möglicherweise sogar ein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich nicht arbeite oder weil ich umgekehrt zu viel arbeite.

Ich bin dann auch nicht so produktiv, wie ich sein könnte. Zum einen führen die inneren Unklarheiten zu Energieverlust. Zum anderen fehlen mir auch der Ausgleich und die Erholung.

Trennung zwischen Arbeit und Freizeit bedeutet für mich, eine bewusste Entscheidung zu treffen und mich zu fokussieren auf das, was jetzt gerade ansteht. Mit anderen Worten: in der Gegenwart zu leben, statt daran zu denken, was ich sonst in dieser Zeit tun könnte. Die Zeiteinheiten lege ich immer wieder neu fest: Es kann sich um ein ganzes Wochenende handeln oder um eine Stunde am Wochenende. Am besten ist, wenn ich auch noch eine räumliche Trennung habe, so dass wirklich ganz klar ist, wann ich arbeite und wann ich Freizeit habe.

Ich will nicht behaupten, dass mir das immer gleichermaßen gelingt. Aber es ist der Weg, den ich für mich als am besten erkannt habe.

Wie halten Sie es mit der Trennung von Arbeit und Freizeit?

PS: Sorry wegen der Lesbarkeit. Ich hatte heute unerklärliche Probleme mit der Formatierung.

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6 Kommentare

  1. Erstellt am 22. Mai 2009 um 14:01 | Permanent-Link

    Hallo Frau Birkner,

    eine Trennung von Arbeitszeit und Freizeit ist sicherlich mehr als wünschenswert und auch machbar.
    Ich denke, der erste Schritt ist der, sich bewußt damit auseinander zu setzen und sich klar zu machen, wie viel mehr es bringt feste Zeiten für die Arbeit zu haben und feste Zeiten für die Freizeit.
    Dabei stimme ich Ihnen zu, das es wichtig ist dies nicht in ein starres Korsett zu zwängen, sondern durchaus flexibel zu reagieren.
    Also wenn z.B. die Sonne scheint auch mal sagen zu können: OK, jetzt mache ich etwas anderes als arbeiten.
    Und das ist meiner Meinung nach ein großer Vorteil, den wir Selbstständige gegenüber den Festangestellten haben.

    Im diesm Sinne ein sonniges und oder arbeitsreiches Wochenende.

    Mario Carla

  2. Erstellt am 22. Mai 2009 um 23:35 | Permanent-Link

    Lieber Herr Carla,
    für mich wird es dieses Wochenende ein “und” geben. Danke für Ihren Kommentar.

  3. Erstellt am 23. Mai 2009 um 18:16 | Permanent-Link

    Liebe Frau Birkner,

    da stimme ich Ihnen voll zu. Ich kann meine Freizeit nicht genießen, wenn ich denke, dass ich “eigentlich” arbeiten müsste/ wollte. Daher finde ich da klare Trennungen und Entscheidungen wichtig, ob innerhalb eines Tages oder einer Woche.

    Ich habe das hier in der Türkei jetzt auch wieder überdeutlich erlebt: ich wollte ja halb Urlaub machen und halb an einem Buch schreiben. Da ich aber alle Zeiten “besonders schön” finde, konnte ich mich nicht entschließen zu sagen: morgens schreiben nachmittags an den Strand- oder umgekehrt.
    Oder erst nach Sonnenuntergang.

    So habe ich es flexibel gehandhabt, was aber zum Teil zu einem Nicht-Urlaubs- Gefühl führte. Als ich das merkte, habe ich komplette Urlaubstage eingerichtet, das war sehr viel besser.

    Aber so ganz habe ich die Lösung noch nicht gefunden- und in einem Tag geht es eh wieder nach Hause :-) .

  4. Erstellt am 26. Mai 2009 um 03:52 | Permanent-Link

    Liebe Frau Birkner, immer wieder ein interessantes Thema für uns Selbständige und jeden Tag eine neue Herausforderung. Ich habe mir angewöhnt, morgens einen Tagesablauf inkl. Lunch zu notieren. Und auch zu entscheiden, ab ca. 19 Uhr ist Schluss. Dann schaue ich die deutschen und die HK-Nachrichten und dann ist Feierabend … Den Plan halte ich allerdings auch flexibel. Wenn die Sonne scheint, gehe ich dann auch mal an den Pool eine Stunde. Auf jeden Fall konzentriere ich mich stundenweise auf ein Projekt, z.B. PDF erstellen für die Blog-Parade und danach dann Park plus Yoga … ich komme damit gut klar und ich unterstütze damit meine Zufriedenheitserlebnisse und -gefühle. Herzliche Grüße. Petra Schuseil

  5. Erstellt am 26. Mai 2009 um 21:29 | Permanent-Link

    Liebe Frau Klein,
    ja, dieses Dilemma kann ich nachvollziehen. Manchmal erlebe ich es so, dass ich das, was andere als Arbeit bezeichnen würde, für mich als Erholung erlebe, weil ich dabei einfach aufblühe und mich wohl fühle.

  6. Erstellt am 26. Mai 2009 um 21:31 | Permanent-Link

    Liebe Frau Schuseil,
    das ist ein schönes Beispiel, wie man Struktur und Flexibilität verbinden kann. Außerdem ist eine Stunde ein schöner Zeitraum, um sich voll auf etwas zu konzentrieren.

Ein Trackback

  1. [...] stehen die Leser unseres Blogs zur Trennung von Arbeitszeit und Freizeit? Ist das etwas aus einer vergangenen Zeit oder war es nie wichtiger [...]

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