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Interview mit Maßschuhmacher Wolfgang Lenz über Kreativität und Marketing im Schuhmacherbetrieb sowie den Stolz auf die eigene Arbeit
Von Monika Birkner | Mittwoch, 23. Dezember 2009
Ein Schuhmacherbetrieb, doch kein gewöhnlicher. Im Verkaufsraum ist ein roter Läufer ausgerollt. Im Schaufenster arbeitet ein Goldschmied. Die erste Etage beherbergt ein Hammermuseum. Was steckt dahinter? Und wie wirkt sich das Geschäft aus? Diese und andere Fragen beantwortet Maßschuhmacher Wolfgang Lenz aus Frankfurt im folgenden Interview.
Monika Birkner: Herr Lenz, Sie sind Maßschuhmacher. Wer leistet sich in der heutigen Zeit den Luxus von Maßschuhen?
Wolfgang Lenz: Derjenige, der Verstand und Geld hat. Die Füße sind das Fundament unseres Wohlbefindens. Wir haben nur dieses eine Paar. Unsere Füße sind nicht zu ersetzen. Wenn wir unsere Füße in ungeeignetes Schuhwerk zwängen, schadet das nicht nur den Füßen, sondern alle möglichen Schmerzen können die Folge sein. Leider gibt es keine Lobby für die Füße.
Sich um das Wohlergehen der Füße zu kümmern, ist daher klug. Heutzutage haben wir kaum noch Gelegenheit zum Barfußlaufen, was eigentlich das Beste für die Füße wäre. Maßgefertigte Schuhe kann man getrost als das Zweitbeste nach dem Barfußlaufen ansehen. Insofern sind Maßschuhe kein Luxus, sondern eine Investition, die sich zigfach auszahlt.
Monika Birkner: Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?
Wolfgang Lenz: Schon mein Vater betrieb hier ein Schuhmachergeschäft. Er gründete es 1941. Ich bin 1942 geboren, habe also meine ganze Kindheit hier verbracht. 1963 übernahm ich es dann selbst.
Ich liebe meinen Beruf. Er ist kreativ. Ich habe mit schönen Dingen zu tun, schaffe schöne Schuhe. Besonders gern arbeite ich mit Materialien, die nicht jeder hat. Außerdem kommen interessante Leute hierher. Das macht Spaß.
Monika Birkner: Wer sind Ihre Kunden?
Wolfgang Lenz: Meine Kunden schätzen gute Handwerks- und Qualitätsarbeit. Es sind nicht nur Banker, sondern Männer und Frauen auch aus anderen Schichten. Allen gemeinsam ist, dass sie erkannt haben, wie wichtig es ist, den Füßen Gutes zu tun. Nicht alle kaufen Maßschuhe. Viele Kunden geben hier ihre Qualitätsschuhe zur Reparatur. Sie können auch fertige Schuhe namhafter Marken kaufen, zum Beispiel Barker (England), Dinkelacker (ungarische Handarbeit), Birkenstock (Deutschland) sowie Finn Comfort (Deutschland). Kunden kommen auch zur Fußpflege oder mit speziellen Problemen, zum Beispiel reparaturbedürftigen Reit- oder Motorradstiefeln.
Monika Birkner: Glauben Sie, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Wertschätzung durch die Kunden und der Wertschätzung der eigenen Arbeit eines Handwerkers?
Wolfgang Lenz: Man muss auf seine eigene Arbeit stolz sein können. Diese Wertschätzung bin ich mir selbst schuldig. Sonst könnte ich diese Arbeit nicht machen. Vielen Handwerkern ist der Stolz auf die eigene Arbeit abhanden gekommen. Das erkennt man daran, wenn jemand meint, seine Zeit koste nichts. Wie soll dann der Kunde die Arbeit wertschätzen können?
Monika Birkner: Herr Lenz, wie schaffen Sie es, Mitarbeiter zu finden, die Ihre hohen Maßstäbe teilen?
Wolfgang Lenz: Ich stelle nur gelernte Schuhmacher ein. Vor der Festanstellung arbeitet jeder Neue erst einmal einen Tag zur Probe. Wichtig sind mir Engagement, Zuverlässigkeit, Eigenständigkeit, eine gute Kommunikationsfähigkeit mit unseren Kunden und ein gepflegtes Aussehen. Die Nationalität ist mir egal, wenn sie Deutsch sprechen.
Der Wissensstand ist natürlich unterschiedlich, je nachdem, wo jemand gelernt hat. Wenn jemand unsicher ist, spricht er mich an. Ich stehe meinen Mitabeitern immer zur Verfügung.
Monika Birkner: Einmal die Woche sitzt bei Ihnen ein Goldschmied im Schaufenster. Oben haben Sie das Hammermuseum mit der zweitgrößten Hammersammlung Deutschlands. Wie kommen derartige Ideen zustande und wie wirken sie sich auf Ihr Geschäft aus?
Wolfgang Lenz: Der Laden war früher größer. Wir hatten den Platz frei und ich habe überlegt, wie ich ihn nutzen kann. Ich kam in Kontakt mit Oskar Mahler, der als Bildhauer und Künstler einen ganz anderen Blick auf die Dinge hat. Oskar Mahler suchte eine Räumlichkeit für seine Sammlung von Hämmern. So kamen wir zusammen.
Oskar Mahler gab noch weitere Anregungen. Mit wenig Geld änderten wir die Fassade und das Schaufenster. Seitdem sitzt auch einmal in der Woche der Goldschmied im Schaufenster.
Der Umsatz ist in den ersten beiden Jahren nach diesen Maßnahmen um 16 bzw. 20 Prozent gestiegen. Die Kooperation zwischen Handwerker und Künstler ist sehr fruchtbar. Ganz generell kann eine Kooperation sehr fruchtbar sein. Die meisten machen sich darüber zu wenig Gedanken.
Monika Birkner: Kooperation betreiben Sie auch außerhalb. Zusammen mit Oskar Mahler engagieren Sie sich in der Interessengemeinschaft „Treffpunkt Bahnhofsviertel“, als stellvertretender Obermeister in der Innung, außerdem als Schöffe und im Karneval. Was motiviert Sie dazu und wie bringen Sie das alles unter einen Hut?
Wolfgang Lenz: Ich habe gern Spaß bei der Arbeit und gern auch außerhalb. Durch die Informationen, die man auf diese Weise erhält, ist man immer etwas schlauer als andere. Außerdem brauche ich Menschen zum Austauschen. Ein gutes Gespräch kann mehr bringen, als wenn man stundenlang im Büro an seinen Zahlen sitzt. Wenn man Spaß hat, spielt die Zeit keine Rolle.
Monika Birkner: Vielen Dank für das Interview, Herr Lenz. Ich wünsche Ihnen noch viele Kunden, die etwas für ihre Füße tun möchten.
Hier die Adresse:
Wolfgang Lenz
Meister im Schuhmacherhandwerk
Münchener Strasse 36
60329 Frankfurt / Main
http://www.schuhmacherei-lenz.de
Meine aktuellen Angebote:
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