Monika Birkner

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Ein paar Gedanken zum Scheitern

Von Monika Birkner | Freitag, 10. April 2009

Ein Blog-Beitrag von Petra Schuseil über die Kultur des Scheiterns hat mich veranlasst, darüber noch einmal tiefer nachzudenken. Dabei merke ich, dass ich schon mit dem Begriff des Scheiterns Probleme habe. Er klingt für meine Ohren so endgültig. Im etymologischen Wörterbuch wird der eigentliche Wortsinn als “in Stücke gehen”  angegeben, abgeleitet vom Scheit, einem abgespaltenen Stück Holz.

Doch in welchen Situationen ist es gerechtgertigt, von Scheitern zu sprechen?  Ist jeder Fehlschlag gleichbedeutend mit einem Scheitern? Ist eine verpatzte Präsentation ein Scheitern? Ein nicht zustande gekommener Auftrag? Eine zerbrochene Partnerschaft?  Insolvenz?

Mir geht es hier nicht um Wortklauberei. Sondern mit geht es um die Relativität von Erfolg und Scheitern. Ob jemand oder etwas erfolgreich oder gescheitert ist, hängt vom Zeitpunkt der Betrachtung ab. Es gibt zahlreiche Beispiele von Managern, die zu einem bestimmten Zeitpunkt hoch gelobt wurden, möglicherweise sogar zum Manager des Jahres ernannt wurden, um kurze Zeit später wegen unternehmerischer oder persönlicher Fehler den Job zu verlieren und vielleicht schon bald wieder eine wichtige Rolle an anderer Stelle zu spielen. Sind sie erfolgreich oder sind sie gescheitert?

Über die Gründe eines Fehlschlages zu reflektieren, macht sicher Sinn. Reflexion sollte eigentlich ein normaler Bestandteil des Lebens sein.

Die wichtige Frage, die sich dann stellt, ist die nach dem größeren Ziel. Wozu diente die verpatzte Präsentation? Was sollte mit dem nicht zustande gekommenen Auftrag erreicht werden? Welche Ziele hatte die Partnerschaft? Welche Vision stand hinter dem insolvent gegangenen Unternehmen?

Ist dieses Ziel nach wie vor gültig? Wie kann es auf anderem Wege erreicht werden? Wozu war die Erfahrung des Fehlschlags wichtig? Was hat man durch diese Erfahrung gelernt? Welche fachlichen, unternehmerischen, persönlichen oder spirituellen Qualitäten hat man dadurch entwickelt?

Von einem Scheitern mag ich erst sprechen, wenn jemand sich selbst aufgibt. Wenn er oder sie nicht mehr an sich selbst glaubt. Solange noch ein Funke an Kampfesmut da ist, kann sich das Blatt noch wenden.

Der heutige Karfreitag bietet für solche Überlegungen ganz besonderen Anlass. Er war der Tiefpunkt, dem nach drei Tagen, an Ostern, der Triumph folgte.

Also – was ist Scheitern?

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18 Leserkommentare zu “Ein paar Gedanken zum Scheitern”

  1. Jörg Reschke:
    11. April 2009 um 06:46 Uhr

    Für mich ist Scheitern eine Lernkomponente
    twitter.com/joergreschke/status/14953989…

  2. Petra:
    11. April 2009 um 07:18 Uhr

    Hallo liebe Frau Birkner, schön, dass Sie den Faden weiterspinnen und mit philosophieren und das am Karfreitag. Es geht auf jeden Fall darum, etwas zu wagen und wenn etwas misslungen ist, sich wieder aufzurappeln. Ich kann mir vorstellen, dass bei einigen, die Insolvenz anmelden mussten, das Gefühl des Scheiterns präsent ist. Genauso bei denjenigen, die ihren Job in Krisenzeiten verlieren. Hier Mut zu machen ist auf jeden Fall richtig. Das Scheitern ist eigentlich die “öffentliche Meinung” und meist negativ. Eine Kultur des Scheiterns fördern, könnte bedeuten, Menschen in diesen Krisen- und Umbruchzeiten zu begleiten und nicht zu meiden. Es ist auf jeden Fall eine Zeit des Lernens. Soviel für heute. Schöne Ostertage für Sie. Herzlich aus Hongkong. Petra Schuseil

  3. Petra Schuseil:
    11. April 2009 um 08:25 Uhr

    Noch ein Zitat von Winston S. Churchill, das ich gerade entdecke:
    Erfolg hat der, der einmal mehr aufsteht, als er hingefallen ist.

  4. Zamyat M. Klein:
    11. April 2009 um 09:36 Uhr

    Das Wort “Scheitern” klingt für mich auch nicht besonders angenehm, so endgültig und eindeutig negativ. Es ist hiermit wohl ähnlich wie mit den “Fehlern”. Auch diese sind ungeliebt, obwohl es da schon mehr Literatur und Ansätze gibt, wie man aus Fehlern lernt.

    Der Punkt ist, dass man NUR MIT FEHLERN lernt- das sie einfach zum Wachstum und Lernen dazu gehören. Denn es ist einfach ein Feedback, eine Korrektur für einen Richtungswechsel, für einen anderen Versuch. Wieviele Versuche hat Edison gestartet, bis es mit der Glühbirne klappte? (über 1000).

    Von daher ist der einzige “Fehler” der Begriff “Fehler” (oder auch Scheitern). Denn der impliziert, dass es auch ohne gegangen wäre, wenn man sich nur genug angestrengt, genug gelernt hätte.
    Und auch wenn “Aus Fehlern lernen” immer wieder publiziert wird: wirklich verinnerlicht, vor allem gefühlsmäßig, hat es niemand. Wir schämen oder ärgern uns immer noch über Fehler, verzeihen sie uns und anderen nur schlecht.

    Kein Mensch käme auf die Idee, mit einem kleinen Kind, das laufen lernt, zu schimpfen, wenn es hinfällt und zu sagen: das hast du nicht richtig gemacht. Da ist es völlig normal, dass es das erst lernen muss.
    Wenn jemand in ein Mikrophon spricht und es ist zu leise, dann schreit auch kein Mensch “Fehler” bei der Probe, sondern dann wird es lauter gestellt und ausprobiert.

    So ist es auch mit dem Leben!

    Wir können uns nur weiter entwickeln, wenn wir immer wieder neue Dinge ausprobieren und neue Wege gehen. Und dabei zwangsläufig feststellen, dass nicht alle Wege die richtigen, die bequemsten oder schnellsten sind. Und dann eben eine Kurskorrektur vornehmen.
    Abgesehen davon, dass man bei “Umwegen” eine Menge neuer Erfahrungen machen kann oder ganz neue Dinge entdeckt!
    Viele Erfindungen sind durch “Fehler” entstanden oder entdeckt worden (siehe Penicillin).

    So, das ist ja ein längeres “Wort zum Sonntag” geworden, aber das Thema reizt mich einfach sehr.

  5. Alexandra Graßler:
    11. April 2009 um 14:56 Uhr

    Als ich Anfang nächsten Jahres mit einer persönlichen Erfahrung des Scheiterns konfrontiert war, habe ich nach Wegen gesucht um damit umzugehen.

    Hilfreich finde ich diesen Gedanken:

    “Wenn jemand scheitert, erlebt er das Paradox eines Endes und Anfangs zugleich.”

    Denn er beschreibt, dass es beim Scheitern eben nicht nur um ein Ende geht, sondern auch um einen neuen Beginn.

    Wer mag ist herzlich eingeladen, den ganzen Beitrag nachzulesen:
    tinyurl.com/d2ytjp

    Ihnen Frau Birkner vielen Dank für die immer wieder neuen Anregungen mit Ihren Beiträgen, die Sie mir zum Nachdenken mitgeben.

  6. Doc Sarah:
    12. April 2009 um 20:24 Uhr

    da fällt mir amelia earhart ein…
    “In my life I had come to realize that when things were going very well indeed it was just the time to anticipate trouble. And, conversely, I learned from pleasant experience that at the most despairing crisis, when all looked sour beyond words, some delightful “break” was apt to lurk just around the corner.” oder “Women must try to do things as men have tried. When they fail, their failure must be but a challenge to others.”

    und mein vater: zu boden gehen ist keine schande – aber liegenbleiben… ;-)

  7. Monika Birkner:
    13. April 2009 um 20:56 Uhr

    Danke an alle für die gehaltvollen und teilweise sehr persönlichen Anmerkungen und die zum Nachdenken einladenden Zitate.Scheitern ist eine Erfahrung, die universal ist. Und die nicht das Ende bedeutet, sondern einen neuen Anfang ermöglicht. Ich hoffe, dass viele Menschen es so sehen können und erleben.

  8. Petra Schuseil:
    14. April 2009 um 15:18 Uhr

    Hallo liebe Frau Birkner, die Diskussion fand ich so anregend, dass ich ab Montag 20. April eine Blog-Parade zum Thema veranstalten werde: blog-parade.de/2009/04/blogparade-eine-k… … Ich freue mich auf spannende Geschichten. Herzlich. Petra Schuseil

  9. Eva:
    15. April 2009 um 12:58 Uhr

    Das Scheitern kann wirklich eine konstruktive Variante bieten, sich mit neuen Inhalten auseinanderzusetzen. Aber ist es nicht auch wichtig, die Realität im Auge zu behalten, um nicht wieder zu scheitern? Ich bin jetzt in einem Alter (63), in dem ich mich wirklich fragen muss, was geht und was geht nicht mehr. Was kann und darf ich mir noch zumuten?! Herzlich Eva

  10. Svetla Todorova:
    15. April 2009 um 14:09 Uhr

    Liebe Frau Birkner,
    vielen Dank für diese Anregung! Ich lese immer wieder Ihre Beiträge, habe mich aber bisher nicht getraut, etwas zu schreiben. U.a. weil Deutsch nicht meine Muttersprache ist (ich komme aus Bulgarien und lebe und arbeite hier als Trainerin).

    Zu Ihren Überlegungen fallen mir sofort die Worte von Randy Paush in seiner bekannten letzten Rede (www.youtube.com/watch?v=ji5_MqicxSo) ein: “Good judgement comes from experience. And experience comes from bad judgement.”

    Ich kann die Wörter leider schwierig ins Deutsche übersetzen.

    Beste Grüsse,

    Svetla Todorova

  11. Monika Birkner:
    15. April 2009 um 22:28 Uhr

    Liebe Frau Schuseil, auf die Blog-Parade freue ich mich schon. Ich werde sicher teilnehmen.

  12. Monika Birkner:
    15. April 2009 um 22:35 Uhr

    @Eva: Was ist Realität? Nicht nur eine philosophische Frage, sondern eine sehr praktische. Natürlich kenne ich Ihre individuelle Situation nicht und es mag dort schwierige Rahmenbedingungen geben. Doch das Alter allein ist in meinen Augen kein Grund, nicht das Beste aus sich und seinem Leben zu machen. Ganz im Gegenteil: Mit jedem Tag des Älterwerdens wird es wichiger, keine Zeit mehr zu vergeuden, sondern sie für die wirklichen Lebensaufgaben zu nutzen. Meine Erfahrung ist immer wieder, dass die Kraft in dem Maße kommt, wie wir uns engagieren. Oder wie es jemand mal ausgedrückt hat: Wir bekommen das vom Leben zurück, was wir hereingeben. Wie gesagt, das sind allgemeine Ausführungen, weil ich Ihre spezielle Situation nicht kenne.

  13. Monika Birkner:
    15. April 2009 um 22:41 Uhr

    Liebe Frau Todorova,
    das mein Blog auch in Bulgarien gelesen wird, finde ich ja toll. Das Zitat ist klasse. Frei übersetzt, könnte man sagen: “Gutes Urteilsvermögen kommt von Erfahrung. Und Erfahrung kommt von schlechtem Urteilsvermögen.” Das gefällt mir.
    Ihr Deutsch ist übrigens vorzüglich.

  14. Helmut Bruyers:
    16. April 2009 um 08:44 Uhr

    Herzlichen Dank an Zamyat M.Klein für ihr “Wort zum Sonntag”(vom 11.04.2009). Es macht “unbewusst Bekanntes” bewusst bekannt. Eine wichtige Hilfe die man täglich lesen sollte.

  15. Monika Birkner:
    16. April 2009 um 11:07 Uhr

    Hallo Herr Bruyers,
    schön, dass Ihnen wieder etwas bewusst geworden ist. Ich freue mich sehr über die entstandene Diskussion.

  16. Monika Birkner:
    16. April 2009 um 11:09 Uhr

    @Dr. Schons: “Zufällig” habe ich heute im Newsletter von Bruce Elkin folgendes Zitat entdeckt:

    “The most difficult thing is the decision to act, the rest is merely tenacity. The fears are paper tigers. You can do anything you decide to do. You can act to change and control your life; and the procedure, the process is its own reward.”
    ~ Amelia Earhart

  17. Sorgen und Segnungen | Monika Birkner:
    22. April 2009 um 14:11 Uhr

    [...] Text passt wunderbar zu dem Thema „Scheitern”, über das ich vor kurzem gebloggt habe und zu dem Petra Schuseil aktuell eine Blog-Parade [...]

  18. Scheitern als Vorstufe zu noch größerem Erfolg | Monika Birkner:
    3. Mai 2009 um 22:49 Uhr

    [...] kurzem gab es in diesem Blog eine lebhafte Diskussion zum Thema Scheitern. Das Problem ist, dass Erfolg oder Scheitern in der  Regel punktuell betrachtet werden. Doch [...]

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