In einem Artikel der Mitteldeutschen Zeitung über Aufschieberitis bin ich mit dem Satz zitiert „Disziplin kann man lernen”. Disziplin? Das klingt für viele wie ein hässliches Ding, das man lieber nur mit spitzen Fingern anfasst. Disziplin ist nicht unbedingt „in”. Doch sie hat durchaus ihre positiven Seiten.
- Ohne Disziplin werden keine großen Ziele erreicht. Die Anfangsmotivation lässt früher oder später nach. Hindernisse tun sich auf. Wer nur nach Lust und Laune vorgeht, wendet sich in solchen Situationen möglicherweise ab und es wird schwierig, wieder auf den Weg zurückzukehren, ob es um ein geschäftliches Projekt geht, ein persönliches Ziel, zum Beispiel im Sport, oder um den spirituellen Weg. Disziplin hilft in solchen Situationen, sich durchzubeißen, bis es wieder leichter vorangeht.
- Disziplin ist gut fürs Selbstwertgefühl. Etwas getan zu haben, obwohl man keine Lust dazu hatte oder der Mut fehlte, gibt einem ein gutes Gefühl und mit jedem Mal eine wachsende Sicherheit, dass auch die nächste Hürde zu schaffen ist.
- Disziplin macht das Leben leichter. Man tut, was getan werden muss. Man tut es dann, wenn es ansteht. Man tut es so gut, wie es möglich ist. Damit erspart man sich viel emotionalen Tumult und Ballast und gewinnt Zeit und Energie für andere Aktivitäten.
Was halten Sie von Disziplin?
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16 Kommentare
Disziplin klingt halt etwas zackig und preußisch. Hab die Wortbedeutung mal nachgeschlagen:
Dis| zi| plin, die; -, – en [lat. disciplina = Wissenschaft; schulische Zucht, zu: discipulus = Lehrling, Schüler]
Es geht ums Lernen und dazu gehört Dranbleiben. Wichtig bei Disziplin ist mir persönlich noch, dass ich auch bei Dingen, die nach süßem Faulsein klingen, Disziplin üben will. Beim Thema Pausen zum Beispiel. Disziplin muss also kein unerbittlicher Antreiber zum Perfektionismus sein, sondern wie Sie ja sagen, ein Weg, sich das Leben leichter zu machen. Arbeit strukturieren.
Selbst aufgestellte Regeln ersparen mir auch, dass ich jedesmal entscheiden muss, was gerade zu tun ist.
Liebe Frau Birkner, die Frage scheint mir doch zu sein wie man den Begriff Disziplin belegt. Sie verwenden ihn hier eher im Sinne von Selbstdisziplin. Also konsequentes Handeln und verfolgen der eigenen Ziele und Aufgaben.
Das ist sicher eine wichtige Fähigkeit. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der Disziplin durchweg negativ belegt war und Eigenschaften wie Spontanität und Kreativität eher als wichtig erachtet wurden.
Selbstdisziplin ist sicher eine sehr wichtige und hilfreiche Eigenschaft.
Wie in vielen Bereichen, kann aber zuviel auch schaden. Die Kunst scheint es mir zu sein, sowohl diszipliniert die Dinge zu tun die getan werden müssen, sich aber genug Offenheit zu bewahren um auch am Rande des Weges die anderen und leichten Dinge des Lebens zu sehen und zu leben.
Liebe Frau Birkner,
das Thema Disziplin scheint in der Luft zu liegen.
Ein bloggender Kollege, Herr Kopp Wichmann hat gestern dazu einen interessanten Beitrag in seinem Blog geschrieben: www.persoenlichkeits-blog.de/article/146…
Ich selbst finde Disziplin wichtig und suche und verwerfe immer noch die passende Form, in der ich D. praktizieren kann. Wobei ich merke, dass ich umso weniger Probleme mit der D. habe, je mehr ich für das Ergebnis eines bestimmten Zieles “brenne”.
Aber manchmal “brenne” ich auch erst, wenn das Ergebnis da ist und bin froh, wenn ich bis dahin genug Disziplin aufgebracht habe.
Ich finde es eine Kunst, mir vorstellen zu können, wie ein bestimmtes Ziel aussieht und sich anfühlt, wenn ich es erreicht habe….
Wenn das Ziel nicht attraktiv/ wichtig genug für mich ist, habe ich ein kleines Problem mit der D.
Und noch hier und da einiges dabei zu lernen…
Liebe Frau Birkner,
für mich hängt die Bedeutung der Disziplin stark mit der Definition meines Zieles zusammen. In vielen Bereichen finde ich Disziplin gut, in anderen nicht. Einfach ist es bei einem konkreten Ziel wie zum Beispiel im Sport, wenn ich eine bestimmte Leistung erreichen will. Das geht nicht ohne diszipliniertes, systematisches Training.
Andererseits: Im Zusammenhang mit künstlerischen Zielen kann ich mir vorstellen, dass Disziplin je nach Begabung, Lerntypus oder auch anderen, äußeren Bedingungen keine notwendige Voraussetzung für Erfolg sein muss.
Ein bisschen Disziplin kann jedenfalls nicht schaden…
Liebe Frau Weinberger,
Disziplin auch beim Faulsein – das ist ein interessanter Aspekt, der sofort Lust aufs Ausprobieren macht.
Hallo Herr Romeike,
wie so oft im Leben kommt es auch hier auf das Maß an. Wenn Disziplin in Rigidität abgleitet, denke ich auch, dass das Maß überschritten ist.
Liebe Frau von Consolati,
danke für den Hinweis auf den Beitrag von Roland Kopp-Wichmann, den ich noch nicht gesehen hatte.
Zu dem Verhältnis zwischen “Brennen” und Disziplin fällt mir ein: Das tun, was man liebt und das lieben, was man tut.
Lieber Herr Schaub,
gerade im künstlerischen Bereich kann ich mir gar nicht vorstellen, wie man ohne Disziplin auskommt. Sie ergänzt für mich die kreative Seite und sorgt dafür, dass diese sich entfalten kann.
Hallo,
danke für den Hinweis auf meinen Blogbeitrag.
Die entscheidende Frage ist doch, woher die Disziplin kommt.
Und da spielt die Motivation die entscheidende Rolle. Wer motiviert ist, tut etwas, auch wenn es nicht soviel Spaß macht, weil er das Ziel erreichen will. Dann könnte man dies auch Ausdauer, Beharrlichkeit nennen.
Disziplin wird aber meist in dem Sinn verwendet, dass man etwas tun soll, was keinen Spaß macht und einem wenig oder nichts bringt.
Deswegen habe ich in meinem Beitrag auch ein Dressurpferd abgebildet. Der Reiter ist bestimmt motiviert für diese Form der Fortbewegung. Er braucht Ausdauer. Das Pferd sicher nicht, deshalb muss es diszipliniert werden.
(Selbst)Disziplin ist ganz sicher eine nützliche Sache, wenn man sie hat. Und die Anzahl der Bücher zu dem Thema zeigen auch, wie viele Menschen mit dem Thema ringen.
Ich persönlich gehöre zu den Glücklichen, die ein bisschen davon mitbekommen haben und deswegen kenne ich auch die Schattenseiten der Selbstdisziplin. Denn hinter Selbstdisziplin steckt ja oft so etwas wie ein “innerer Treiber”, ein Teil in uns, der uns immer vorantreibt uns schwer in Ruhe lassen kann. Was bei vielen bis zum Burn-Out führen kann.
Für mich ist Selbstdisziplin deswegen in letzter Zeit mehr ein Signal, als eine Fähigkeit.
Denn immer, wenn ich Selbstdisziplin aufwenden muss, ist das für mich ein Signal, mal zu überprüfen, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin.
Wenn Disziplin notwendig ist, bedeutet das ja, dass ich etwas tun muss, aber nicht unbedingt tun will. Und ich bemühe mich, mein Leben eher mit Dingen zu füllen, die ich aus mir heraus tun will.
Und je mehr ich diesen Weg verfolge, desto produktiver werde ich letztlich, weil ich mehr Dinge mit Leichtigkeit und ohne die typischen Widerstände angehe.
Hallo Frau Birkner,
ja, ein heißes Thema, und vieles, was mir dazu einfällt, wurde schon angesprochen. Es hängt sicher mit Motivation und innerem Feuer zusammen- und dann ist es eigentlich keine “Disziplin” mehr. Die brauche ich ja, um mich zu etwas zu bewegen, was ich nicht von selbst oder nicht leicht mache(n möchte).
Annja sprach es schon an:
ich persönlich brauche auch eher Disziplin, um pünktlich Pausen zu machen. Nicht, weil es mir schwer fallen würde, eine Pause zu genießen, ich bin einfach zu sehr in der Arbeit drin und im Flow und kann mich mittags dann schlecht (rechtzeitig) losreißen.
Oder ein anderes Beispiel: Yoga.
Ich mache es total gerne und es tut mir gut- trotzdem brauche ich zu Hause dafür richtig Disziplin, weil auch da ein anderes Interesse (an den Schreibtisch stürzen) wohl gleich stark ist.
Das ist schon verrückt- oder?
Dann fällt mir noch ein Sanskrit-Begriff aus dem Yoga ein: “Tapas”, das übersetzt wird mit “Askese” und auch mit “innerem Feuer”. Und das meint sicher genau das: wenn es in mir brennt, ich begeistert und hochmotiviert bin, dann brauche ich keine äußere Disziplin.
Disziplin ist sicher auch notwendig, wenn ich neue Gewohnheiten einrichten will, egal ob sie mir gut tun und gefallen oder nicht. Einfach, wenn ich noch in einem anderen Muster drin stecke, muss ich mir das neue (mit Disziplin) antrainieren.
Auch wenn mir meine Arbeit Spaß macht (siehe Ralf) brauche ich persönlich oft in meiner Tagesplanung Disziplin: weil ich einfach immer viel zu viele Ideen und Projekte habe (die mir durchaus Spaß machen) und ich aber dann planen muss, was jetzt aktuell das Wichtigste ist. Und dann die Disziplin einsetzen, das auch zu machen.
Soweit meine Gedanken dazu.
Mit schwitzenden Grüßen aus der Türkei
Zamyat M. Klein
Ich kann mich da Herrn Kopp-Wichmann nur anschließen und habe den Eindruck, dass hier zwei Sachen durcheinander geschmissen werden.
Disziplin, wie Sie in der Armee gehandhabt wird, wird durch außen erzwungen. Überträgt man dieses Konzept auf sich selbst, dann ist man einerseits derjenige der undiszipliniert ist und andererseits derjenige der sich selbst-disziplinieren muss. Man kann leicht erkennen, dass dieses Konzept auf eine Person übertragen zu nicht unerheblichen inneren Konflikten führen kann.
Selbst-Disziplin entsteht nicht dadurch, dass ich mich selbst diszipliniere, sondern dadurch, dass ich mich für etwas 100% entscheide und auch ein unbändiges Verlangen danach habe, das zu erreichen, was ich mir vorgenommen habe.
Aus beiden entsteht Disziplin als Hilfsmittel um mein Ziel schneller und erfolgreicher zu erreichen.
Ich habe selber den Fehler gemacht, mich disziplinieren zu wollen, im Glauben, dass mir Disziplin fehlte. Doch mir fehlte nicht Disziplin sondern Bestimmtheit, Motivation und die Kraft einer klaren Entscheidung, bei der man sich für eine Sache entscheidet, auch wenn man nein zu einer anderen tollen Sache sagen muss. Vereinfacht gesagt, entsteht also Undiszipliniertheit dadurch, dass ich unentschlossen bin oder kein großes Verlangen danach habe, etwas zu erreichen.
Wenn aber Motivation und Entschlossenheit und Bestimmtheit vorhanden sind, wird Disziplin ein Klacks und ein Selbstläufer.
Hallo Herr Kopp-Wichmann,
Motivation und Disziplin ergänzen sich in meinen Augen. Ihr Beispiel mit dem Pferd gefällt mir gut. Das ist dann Dressur. Mir ging es nicht um diese Art des Disziplinierens, wo einer dem anderen seinen Willen aufzwingt, sondern um die Selbstdisziplin, damit aus der ursprünglichen Motivation und den ursprünglichen Anlagen tatsächlich auch etwas entstehen kann. Ich glaube, im Grunde meinen wir Ähnliches, bewerten nur die Begriffe unterschiedlich.
Hallo Herr Senftleben,
das ist eine sehr spannende Facette des Themas.
Mein Ideal ist, das zu tun, was ich liebe und das zu lieben, was ich tue. Was ich damit sagen will: Auch wenn es mir grundsätzlich ebenso geht, dass ich nur das tun will, was ich gern aus mir selbst heraus tun möchte, treffe ich doch immer wieder auf Aufgaben, die dazu auch nötig sind und die ich aus mir heraus nicht von vornherein gerne tue. Indem ich aber einen Weg finde, sie doch gerne zu tun, verschwindet dann der Widerstand und es entsteht mehr und mehr der von Ihnen angesprochenen Leichtigkeit.
Liebe Frau Klein,
bei Ihrem Beitrag fällt mir ein, dass Disziplin sehr viel mit Struktur zu tun hat. Struktur zu schaffen für die vielen Ideen, für die neuen Gewohnheiten, für Entscheidungsprozesse. Insofern muss Disziplin nicht unbedingt bedeuten, dass man etwas nicht gerne macht. Es kann auch einfach bedeuten, es sich zur Gewohnheit werden zu lassen, völlig unabhängig davon, ob es einem im Moment Spaß macht oder nicht.
Hallo Herr Tepeli,
dass Menschen von sich meinen, ihnen fehle Disziplin, und umso mehr versuchen, sich diese aufzuerlegen, habe ich auch schon erlebt. Unentschlossenheit spielt dabei sicher eine große Rolle oder auch die Entscheidung für eine falsche Sache. Insofern kann ein vermeintlicher Mangel an Disziplin ein wichtiges Indiz sein, sich noch einmal mit seinen Zielen zu befassen. Wenn die Ziele dann klar sind und wichtig genug, verliert Disziplin den Charakter des sich selbst Disziplinierens oder von anderen diszipliniert zu werden und verwandelt sich in eine freiwillige Angelegenheit.