Monika Birkner

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Braucht man einen Plan B?

Von Monika Birkner | Mittwoch, 6. Mai 2009

Ein früherer Kollege verkündete bei jeder möglichen Gelegenheit, dass man immer einen Plan B haben müsse. Er fühlte sich damit stets gerüstet für den Fall, dass der ursprüngliche Plan sich nicht verwirklichen ließe. Braucht man wirklich einen Plan B? Für mich habe ich herausgefunden, dass ich mich lieber auf meine Flexibilität und Kreativität verlasse als auf einen vorgefertigten Plan.

Gestern konnte ich meine ursprünglichen Pläne für den Tag aufgrund des Lüfterausfalls in meinem PC nur zu einem Teil ausführen. Hätte mir ein Plan B geholfen?

Ich bezweifle, dass es möglich ist, für alle Eventualitäten einen konkreten Alternativplan in der Tasche zu haben. Mir wäre jedenfalls der Aufwand für das Erstellen und Aktualisieren solcher Alternativpläne zu aufwändig und stünde in keiner Relation zu dem zu erwartenden Gewinn daraus.

Die Befürworter eines Planes B werden mir vielleicht entgegen halten, dass ein Alternativplan zumindest bei größeren Projekten wichtig sei.

Doch auch das überzeugt mich nicht wirklich. Denn so ein Plan wird ja zu einem bestimmten Zeitpunkt erstellt, beispielsweise vor einer wichtigen Verhandlung. Doch wer kann genau voraussagen, wie die Verhandlung verläuft? Zu dem Zeitpunkt, wo es an der Zeit wäre, Plan B in Kraft treten zu lassen, haben sich vielleicht ganz neue Gesichtspunkte oder Konstellationen ergeben, die bei der Erstellung von Plan B noch gar nicht absehbar waren.

Für mich funktioniert es besser, wenn ich  meine großen Ziele als Kompass benutze und die Feinsteuerung aus der jeweiligen Situation heraus vollziehe. Flexibilität und Kreativität sind dabei wichtige Ressourcen. Eine andere wichtige Voraussetzung ist, emotional ruhig zu bleiben, ganz egal, was passiert. Wenn man erst einmal in Emotionen verfangen ist – egal, ob Ärger, Ängste oder Euphorie – ist man nicht mehr Herr(in)  der Situation.

Das versetzt mich in die Lage, sehr schnell neue Entscheidungen zu treffen und dabei die jeweils aktuelle Situation in allen Facetten zu berücksichtigen, so dass ich aus der Situation das Beste machen kann. Gestern beispielsweise brauchte ich nicht lange zu überlegen, wie ich die neue Situation nutzen könnte. Ich habe die Ruhe bewusst genossen, um ein Seminar vorzubereiten, das ich in den nächsten Tagen halte. Außerdem war noch Zeit, Bücher auszusortieren, die mir für die nächste Etappe nicht mehr wichtig sind.

Auf einen Plan B zu verzichten, bedeutet nicht, auf jegliche Vorbereitung zu verzichten. Vor einer Verhandlung ist es schon sinnvoll, sich auf die Verhandlungsparteien und deren mögliche Interessen und Taktiken einzustellen. Ebenso sinnvoll ist es, sich darüber klar zu werden, was man bestenfalls erreichen möchte und was das Minimumergebnis sein sollte. Doch alle Einzelheiten vorab zu planen, wäre für mich nicht hilfreich. Ich vertraue, wenn die Grundlinien klar sind, lieber auf meine Ressourcen, die mir in der aktuellen Situation zur Verfügung stehen. Das erlaubt mir, im Fluss zu sein, statt zu meinen, dass alles meinen Vorstellungen zu folgen habe. Das bedeutet auch Offenheit dafür, dass etwas sich besser entwickeln kann, als ich es geplant hatte. Letztlich fühle ich mich damit sicherer als mit einem Plan B.

Doch Menschen sind unterschiedlich. Wie halten Sie es mit einem Plan B?

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8 Leserkommentare zu “Braucht man einen Plan B?”

  1. Roberta:
    7. Mai 2009 um 09:10 Uhr

    Wenn wir uns auf der reinen “Sachebene” bewegen mögen Sie da durchaus Ihren Punkt haben. Die ist allerdings nur die halbe Miete (aus meiner Sicht sogar weniger als das), weil wir jede Sachlage – ohne Ausnahme – mit einer Emotion bewerten.
    Plan B ist ein Instrument das vorwiegend einen gefühlten Wert hat, nämlich das Gefühl der Sicherheit. Ob der Plan B dann wirklich so in Kraft tritt ist nicht wichtig, sondern die Bereitschaft, bei Unwirksamkeit von Plan A schnell und unprätentiös auf neue Ideen zu kommen und wieder durchzustarten. Ich habe viele Menschen erlebt, die Dank dieser inneren Überzeugung ganz schnell aus der gefährlichen Enttäuschungsspirale herausgeschnellt sind. Und das ist es allemal Wert.

  2. Mcarla:
    7. Mai 2009 um 12:04 Uhr

    Hallo Frau Birkner,

    ich glaube wir brauchen sogar noch einen Plan C und D. ;-) ) Nein mal Spass beseite, ich habe die Erfahrung gemacht, das es erstens anders kommt und zweitens als man denkt. Deshalb gehe ich da ähnlich vor wie Sie – ich habe eine grobe Richtschnur und wenn dann etwas passiert, was nicht so ganz in das Raster passt dann reagiere ich halt mit Plan B oder C oder gar nicht…

    Lieben Gruß Mario Carla

    PS: Wenn mein Notebook nicht funktioniert, habe ich immer noch die Möglichkeit einen Desktop zu benutzen (Plan B) oder es ist noch genug Arbeit da, die auch ohne PC funktioniert (Plan C)

  3. Monika Birkner:
    7. Mai 2009 um 20:34 Uhr

    Hallo Roberta,
    ja, wir Menschen sind unterschiedlich. Ein Gefühl von Sicherheit wünschen wir uns wahrscheinlich alle. Wir beziehen es nur aus unterschiedlichen Quellen. Mir gibt es ein sicheres Gefühl zu wissen, dass ich in jedem Moment mich auf mich selbst verlassen und auch eine höhere Weisheit “anzapfen” kann, die sich mir in Form von Intuition oder kreativen Ideen äußert. Andere mögen sich sicherer mit einem konkreten Plan fühlen. Auch nach dem Fehlschlag eines Plans schnell wieder durchzustarten, ist das, worum es geht.

  4. Monika Birkner:
    7. Mai 2009 um 20:37 Uhr

    Hallo Herr Carla,
    gut, dass das Alphabet nicht bei B. endet :-) .

    “… dass es erstens anders kommt und zweitens als man denkt”: das ist eine hilfreiche Einstellung, um sich von vornherein schon nicht zu sehr auf Pläne zu verlassen, sondern von Anfang an einzukalkulieren, dass das Leben seine eigenen Pläne mit uns hat.

  5. hic et nunc:
    9. Mai 2009 um 18:01 Uhr

    “willst du gott zum lachen bringen, erzähl ihm von deinen deinen plänen!”
    keine ahnung wer das mal gesagt hat? ich finde es recht amüsant.
    das leben ist nicht planbar. ich kann eine idee haben, von der ich gefesselt bin, die ich umsetzen möchte mit herzblut und allem, was dazu gehört. ich kann alle eventualitäten abchecken und meinen gesunden menschenverstand nutzen, plus eine prise intuition. eine gute prise intuition.
    entweder es funktioniert oder nicht. daniel kehlmann hat es ebenso schön in einem kürzlich veröffentlichtem interview gesagt:”erfolg ist nicht planbar!”
    finde ich auch.
    schönen gruß und viel erfolg!

  6. Monika Birkner:
    10. Mai 2009 um 19:05 Uhr

    hic et nunc: Eine gute Prise Intuition scheint mir in jedem Fall eine unverzichtbare Zutat zu sein. Das Zitat gefällt mir sehr gut, weist es doch darauf hin, dass wir bei aller Macht, die wir haben, doch nicht allmächtig sind.

  7. michi:
    26. Mai 2009 um 22:08 Uhr

    ..es kann kaum etwas schlimmeres geben, als sich ständig auf alle eventualitäten des lebens mit einen oder mehreren plänen vorzubereiten. wir sind heute so stark vernetzt und von abertausend dingen abhängig und beeinflussbar, dass ich es für mich bei “plan a” belasse und die 2. variante operativ entschieden wird — wie auch immer….

  8. Monika Birkner:
    28. Mai 2009 um 16:01 Uhr

    @michi: das Risiko ist, dass man vor lauter Plänen nicht mehr in der Gegenwart lebt.

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