Bindestrich-Coaching und andere Provokationen

Heute schneide ich ein heißes Eisen an. Anlass dazu ist ein Artikel im WirtschaftsBlatt, der sich kritisch mit neueren Erscheinungen auf dem Coaching-Markt befasst, die  als Bindestrich-Coaching daher kommen. Gemeint sind zum Beispiel Fitness-Coaching, Finanz-Coaching, Ernährungs-Coaching etc.

Bedrohen diese Erscheinungen die Coachingbranche, wie der Artikel nahelegt?

Aus meiner Sicht dazu ein klares Nein. Aus meiner Sicht ist es  Zeit, dass die Coachingbranche aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Viel zu lange wurde hierzulande Coaching mit Executive Coaching mehr oder weniger gleich gesetzt. Viel zu lange wurden theoretische Diskussionen über die Abgrenzung zu Beratung, Supervision und Therapie geführt.

Dabei wurde ein wichtiger Faktor vernachlässigt: der Markt.

Kunden wollen nicht “Coaching” oder “Beratung”, sondern Kunden wollen Unterstützung bei der Lösung ihres Problems oder Erreichung ihres Ziels. Wie die Methode bezeichnet wird, ist für die wenigsten Kunden wirklich interessant.

Probleme gibt es in allen Lebensbereichen, nicht nur im Management. Weshalb sollte es nicht auch Coachingangebote für alle Lebensbereiche geben? Und weshalb sollte man sie global unter dem Begriff „Life Coaching” zusammenfassen, unter dem sich die wenigsten Kunden etwas Genaues vorstellen können?

Auch bei Ärzten und Anwälten hat sich die Spezialisierung durchgesetzt – und das zum Wohl aller Beteiligten.

Wird durch spezialisierte Coaches der Berufsstand der Coaches bedroht? Aus meiner Sicht keineswegs.

Coach als Beruf ist nicht geschützt. Damit stellt sich natürlich die Frage der Qualitätssicherung. Doch auch hier vertraue ich auf den Markt und seine Selbstregulationskräfte.

Jedes Kundenproblem ist individuell. Damit es gelöst wird, kommt es nicht darauf an, den „Einser-Coach” zu finden, der alle möglichen Tests und Zertifizierungen bravourös bestanden hat, sondern den „richtigen” Coach, der genau für diesen Kunden und dieses Problem die passgenaue Lösung bietet.

Das ist bei Ärzten und Anwälten nicht anders. Die Spezialisierung und eine entsprechende Positionierung am Markt schaffen Transparenz. Allerdings sollten – ebenfalls wie bei Ärzten und Anwälten – entsprechende Ausbildungen Grundvoraussetzung sein. Hier ist sicher noch einiges zu tun.

Das Aufkommen der Bindestrich-Coaches sehe ich daher nicht prinzipiell als Gefahr für die Coachingbranche, sondern im Gegenteil als Chance.

Denn eins steht fest: Das Leben und das Berufsleben zu bewältigen, wird immer schwieriger. Menschen haben unendlich mehr Wahlmöglichkeiten im Vergleich zu früher, als alles noch vorgeebnet war. Damit umzugehen, ist Stress. Hinzu kommt der permanente und immer schnellere Wandel.

Coaching, ganz gleich welcher Spezialisierung, hat eine wichtige individuelle wie gesellschaftliche Funktion. Coaching unterstützt Menschen, sich klar zu werden, was sie wollen und wie sie es erreichen können, und dann die nötigen Schritte zu tun.

Coaching in Anspruch zu nehmen, ist keine Schwäche. Ganz im Gegenteil: Es ist eine kluge Entscheidung. Damit Coaching seine segensreichen Wirkungen erbringen kann, ist es umso wichtiger, den jeweils richtigen Coach zu finden.

Vielleicht wird das noch ein weiterer Zweig des Coachings – Unterstützung bei der Auswahl eines Coaches.

Die Coachingbranche sollte sich nicht gegen eine Entwicklung stemmen, die nicht aufzuhalten ist, sondern im Gegenteil dazu beitragen, dass auch die Bindestrich-Coaches gut qualifiziert werden und sich seriös und transparent am Markt positionieren.

Ich bin gespannt auf Ihre Meinung.

Alle 10 bis 14 Tage neu: Mein Business Transformation Letter.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in: Allgemein, Coaching, Woanders gelesen. Tags: , , , . Bookmarken: Shortlink. Kommentieren oder einen Trackback setzen: Trackback-URL.

17 Kommentare

  1. Erstellt am 23. April 2009 um 21:39 | Permanent-Link

    das bringt mich auf eine idee – eigentlich arbeite ich schon lange als health-coach… warum es nicht beim namen nennen … ;-)

    ja, liebe frau birkner, ich seh es auch so: die bindestriche bringen diversifizierung und spezialisierung. das kann der ganzen brache nur gut tun, weil es letztlich zu einer qualitätssteigerung führen wird.
    und coaching -oder wie auch immer wir es nennen- braucht heutzutage fast jeder mensch für die unterschiedlichsten situationen. und der bedarf wächst…

  2. Erstellt am 24. April 2009 um 08:21 | Permanent-Link

    Hallo,

    wie schreiben Sie doch so schön? “…sondern Kunden wollen Unterstützung bei der Lösung ihres Problems oder Erreichung ihres Ziels.”

    Und da ist es doch egal, ob sie die von einem Coach, Trainer oder Mentor bekommen, Hauptsache ist ihne wird geholfen!

    Gruß Mario Carla

  3. Erstellt am 24. April 2009 um 14:55 | Permanent-Link

    Ehrlich gesagt – ich finde diese Bindestrich-Bezeichnungen langweilig und nichtssagend. Dazu kommt, dass gerade in Krisenzeiten, in denen frisch in die Selbstständigkeit Entlassene plötzlich zum Coach werden, das Vorurteil gepflegt wird, Coaches wären in ihrem Fachgebiet selbst nicht erfolgreich gewesen.
    Das hat mich bewogen, den Begriff Coach nie in einer meiner Tätigkeitsbezeichnungen zu verwenden.

    Andererseits stimmt es, dass das Coaching in Deutschland zunehmend an Akzeptanz gewinnt. Insofern sollten wahrhaftige Coaches nicht ganz auf den Begriff verzichten. Und könnten sich z.B. an den Ärzten oder Anwälten orientieren: Fachanwalt für… bzw. Facharzt für…

  4. Erstellt am 24. April 2009 um 15:06 | Permanent-Link

    Noch ein Nachtrag zur Namensfindung: Neulich habe ich einer Frau, die ‘Space Clearing Practitioner’ ist, empfohlen, sich ‘Raumkraftverstärkerin’ zu nennen. Mit dieser deutschen Wortschöpfung fühlt sie sich sehr wohl. Und sie hat gleichzeitig sehr elegant ihre Tätigkeit in nur einem Wort beschrieben. Das ist mit der Kombination aus Bindestrich und ‘Coach’ schlicht nicht möglich.

  5. Erstellt am 24. April 2009 um 19:13 | Permanent-Link

    Ja, die Bezeichnung, die man für seine Tätigkeit wählt, ist wichtig. Sie kann sogar das Alleinstellungsmerkmal ausdrücken – zumindest erscheint mir eine Raumkraftverstärkerin einmalig.

    Es hat ‘was, sich einen ganz unverwechselbaren – aber vielleicht nicht gleich verständlichen Namen zu geben – und es hat etwas, sich in eine Kategorie zu begeben, wie das mit Bindestrich-Coach geschieht. Der Vorteil hier ist, dass die Kunden sofort verstehen, was das Angebot ist. Mit Leben gefüllt ist es damit zwar noch nicht, aber immerhin wird die Nische / Spezialisierung sofort ersichtlich. Eine gute Orientierungshilfe für Kunden.

    Interessant wäre mal eine Umfrage, was die Deutschen mit dem Begriff Coaching verbinden – weiß jeder aus den potenziellen Zielmärkten, was ein Coach tut? Wie ist das Ansehen des Berufsstandes?

    Das wäre eine gute Entscheidungshilfe, ob es zum Beispiel wirtschaftlich Sinn macht, sich von Arzt in Health-Coach umzubenennen.

    Damaskus lässt grüßen,
    Annja Weinberger

  6. Erstellt am 24. April 2009 um 20:34 | Permanent-Link

    klasse idee, grundsätzlich. aber ich plädiere auch für deutsche bezeichnungen. ich bin ja nun keine ärztin, sondern heilpraktikerin – ein sogenannter freier beruf. hier kursiern die merkwürdigsten bezeichnungen. englische begriffe verursachen nur verwirrung und verunsicherung. eine bezeichnung für das was ich anbiete in deutscher sprache zu finden, erfordert eben kreativität. ist aber sicherlich auch ein alleinstellungsmerkmal.
    meine naturheilpraxis heißt übrigens “heilzeit”…..

  7. Monika Birkner
    Erstellt am 24. April 2009 um 22:41 | Permanent-Link

    Herzlichen Dank an alle für die interessanten Aspekte, die Sie eingebracht haben.

    @Doc Sarah: Ich denke, dass Health-Coaching das ist, was Sie zu einem großen Teil machen. Gleichwohl gebe ich zu bedenken, dass Patienten möglicherweise mit diesem Begriff noch nicht so viel anfangen können, während sie sich unter einer Ärztin etwas konkret vorstellen können.

    @Mcarla: So sehe ich es auch.

    @Peter Claus Lamprecht: Der Begriff “Coach” ist schwammig. Wenn ich an meine eigene Rolle denke, erlebe ich die als so vielfältig, dass dafür eigentlich ein ganzes Bündel von Begriffen nötig wäre. Raumkraftverstärkerin – ein interessanter Beruf.

    @Annja Weinberger: Ich sehe gerade, dass Sie meine Fragezeichen in Bezug auf den Health Coach teilen. Eine Berufsbezeichnung hat viele Funktionen: Sie soll das Eigene ausdrücken. Sie soll den Kunden Orientierung geben. Sie soll positive Assoziationen wecken…. Für Sie als begabte und kreative Texterin könnte es doch eine interessante Herausforderung sein, sich einzigartige und kreative, doch gleichwohl praxistaugliche Berufsbezeichnungen einfallen zu lassen, oder…?

    Qhic et nunc: Heilzeit klingt gut in meinen Ohren.

  8. Erstellt am 25. April 2009 um 09:01 | Permanent-Link

    Coaching heißt für mich häufig, den Kundinnen/Kunden klar zu machen: es geht nicht um ‘entweder- oder’, sondern um ein ‘sowohl als auch’.

    Das sehe ich beim Binde-Strich-Coach ähnlich.
    Wenn jemand für sich herausgefunden hat, sein/ihr Angebot findet in einer Bindestrich-Bezeichnung genau seinen Ausdruck, z.B. Health-Coaching, Aufräum-Coach, dann ist dass doch klasse und passend und griffig.

    Ich nenne mich – inzwischen wieder – schlicht Persönlichkeitscoach. Was habe ich nicht alles schon ausprobiert: ICH-Gewichtungs-Coach, LIfe-Coach, Entscheidungs-Coach, Haltungs-Coach.

    Für MICH fühlte sich das nicht gut an – obwohl das aus marketingtechnischer Sicht sicher (?) erfolgversprechender sein mochte.
    Es muss m.E. passen: für den Kunden, aber auch für den Coach selber – und so möchte ich dafür plädieren: warum nicht beides?

    Coaching hat für mich eh eher etwas mit einer inneren HALTUNG zu tun – die ist wichtig und wesentlich für die Kunden. Ob der Coach nun einen Bindestrich ‘trägt’ oder nicht.
    Herzliche Grüße
    Maria Ast

  9. Monika Birkner
    Erstellt am 25. April 2009 um 22:20 | Permanent-Link

    Liebe Frau Ast,
    ich bin ja eine Verfechterin des authentischen Marketings. Etwas zu machen, nur weil die Lehrbücher es sagen, wenn man selbst nicht dahinter steht, bringt nach meiner Erfahrung nicht viel, weil die Kunden es auf einer bestimmten Ebene merken. Es gibt immer Wege, etwas so zu machen, dass es für einen selbst wie auch für die Kunden stimmig ist.

  10. Erstellt am 25. April 2009 um 22:39 | Permanent-Link

    das mit dem health-coach war mein british humor… ;-) wollte eigentlich keinen nebenthread aufmachen damit… aber die diskussion hier macht freude und zeigt spannende ansätze auf. danke an alle dafür.

    nenne mich übrigens seit kurzem: validator

  11. Monika Birkner
    Erstellt am 26. April 2009 um 20:50 | Permanent-Link

    Liebe Frau Dr. Schons a.k.a. validator,
    Ihr british humor ist immer herzlich willkommen.

  12. Erstellt am 27. April 2009 um 09:57 | Permanent-Link

    Hallo, liebe Frau Dr. Schons,
    I DO like London – and British humor! und Humor überhaupt. War wohl grad im anderen Film unterwegs… im allgemeinen entdecke ich “ihn” within a second .
    Herzliche Grüße
    Maria Ast – (die sich noch nicht traut, sich Anti-Erfolgs-Coach zu nennen – kann sich aber nur noch um einige Wochen bis drölf Ewigkeiten handeln, dann wird diese ‘British Humor Seite’ an mir online gehen :-) .

  13. Monika Birkner
    Erstellt am 27. April 2009 um 19:55 | Permanent-Link

    Liebe Frau Dr. Schons, liebe Frau Ast,
    wie wäre es mit einer british-Humor-Sektion? Ich habe dafür auch ein gewisses Faible.

  14. Erstellt am 27. April 2009 um 22:03 | Permanent-Link

    schöne idee –

    What is the longest word in the English language?
    “Smiles”.
    Because there is a mile between its first and last letters…

    ;-)

  15. Erstellt am 28. April 2009 um 16:22 | Permanent-Link

    Und nun noch ich aus Hongkong mit meinem Lebenstempo-Coaching, das ich erst kürzlich so festgezurrt habe. Hatte auch davon gelesen, dass Glücks-Coaching oder Persönlichkeits-Coaching nicht professionell genug sei. Ich finde die Plädoyers hier in dieser ARtikelserie sehr ermutigend. Deshalb mit Lebenstempo plus Coaching können viele was anfangen. Wobei mir auch die Möglichkeit gefällt: Coach für Lebenstempo. Why not.
    Herzlicher Abendgruß. Petra Schuseil

  16. Monika Birkner
    Erstellt am 28. April 2009 um 20:41 | Permanent-Link

    Liebe Frau Dr. Schons,
    smiles – was für ein wunderschönes Wortspiel. Danke.

  17. Monika Birkner
    Erstellt am 28. April 2009 um 20:43 | Permanent-Link

    Liebe Frau Schuseil,
    letztlich entscheiden die Kunden und die Berufsbezeichnung ist nur ein – wenn auch wichtiges -Element unter anderen. Ein aktives Blog, wie Sie es pflegen, ist ein anderes wichtiges Element, dass potenzielle Kunden ein Verständnis für Sie und Ihre Leistungen entwickeln.

Ein Trackback

  1. [...] Bindestrich-Coaching und andere Provokationen [...]

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

Benachrichtigung ohne eigenen Kommentar:

  • Monika Birkner
    Business Transformation Letter
    Mister Wong myON-ID
    Facebook XING
    Twitter RSS Feed
  • Monika Birkner

    Business Transformer, Buchautorin, Strategieberaterin, Unternehmercoach.
    Mehr lesen »

  • Business Transformation Letter

    Alle 10 bis 14 Tage Inspiration und Handwerkszeug für alle, die mit Ihrem Business eine neue Umlaufbahn erreichen wollen –

    jetzt abonnieren:








  • Meine Bücher

    Monika Birkner: Wachstumsstrategien für Solo- und Kleinunternehmer Monika Birkner: Kurswechsel im Beruf