Monika Birkner

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Aus einer Schwäche Umsatz machen

Von Monika Birkner | Montag, 1. Juni 2009

In der FAZ vom Wochenende las ich einen faszinierenden Bericht über einen Finanzberater, der sich auf gehörlose Kunden spezialisiert hat. Robert Davies war ursprünglich Makler für Termingeschäfte. 1999 blutete er aus den Ohren, unterzog sich mehreren Operationen und verlor dennoch sein Hörvermögen. Nachdem er lange versucht hatte, sein Handicap zu verheimlichen und durch technische Hilfsmittel zu kompensieren, musste er es irgendwann doch seinem Arbeitgeber, der Dresdner Bank in Düsseldorf, offenbaren. Gemeinsam suchte man nach einem Weg und entschloss sich, eine spezielle Finanzberatung für Hörgeschädigte anzubieten. Mittlerweile betreut Robert Davies eine Klientel von mehr als 500 Kunden, die teilweise von weit her anreisen. Inzwischen wird er von einer Kollegin unterstützt, die ebenfalls die Gebärdensprache beherrscht. Davies ist dabei, seinen Aktionskreis immer mehr zu erweitern. Er klärt über die Situation Gehörloser auf, zeigt zum Beispiel der Polizei, wie man sich mit einem Gehörlosen verständigt und hat sich ein Netzwerk von Spezialisten aufgebaut, die sowohl hören können als auch die Gebärdensprache beherrschen.

Dieses Beispiel finde ich einfach großartig. Nach Schätzungen, die in dem FAZ-Artikel erwähnt werden, kann die Zahl der Gehörlosen durchaus mehr als eine Million betragen. Und wenn man sich vergegenwärtigt, welche Probleme diese Situation in alltäglichen Dingen wie auch beim Thema Finanzberatung aufwerfen kann, wo man ja über sehr Persönliches spricht, wird nachvollziehbar, welche Lücke Robert Davies und die Dresdner Bank mit diesem Angebot schließen. Doch diese Lücke zu erkennen und den Mut zu haben, sie auszufüllen, sind keineswegs selbstverständlich. „Hut ab” kann ich nur sagen.

Über die konkrete Situation hinaus kann dieses Beispiel anregen, noch einmal genauer hinzusehen, wo sich noch Chancen bieten, ein eigenes Handicap als Chance zu erkennen,  andere zu unterstützen und  dabei auf eine gute Weise Geld zu verdienen. Eine derartige Denkweise ist auch das, was ich in meinem Beitrag Abschied vom Traumjob meine, wenn ich die dritte Stufe beschreibe, wo man sich nicht in erster Linie an eigenen Wünschen orientiert, sondern aus den Erfahrungen und Umständen, die einem das Leben präsentiert, etwas Gutes für sich und andere macht.

In meinem Buch Wachstumsstrategien für Solo- und Kleinunternehmer erwähne ich den Unternehmer Wolfgang Grabowski, der mit seinem Unternehmen Grabo-Tours Behindertenreisen weltweit anbietet. Entstanden war diese Idee aus der Erfahrung einer Reise mit dem Bruder des Unternehmers, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Bei dieser Reise wurde klar, welche Schwierigkeiten Rollstuhlfahrer auf Reisen haben.

Welche weiteren Beispiele kennen Sie? Welche Ideen haben Sie dazu?

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4 Leserkommentare zu “Aus einer Schwäche Umsatz machen”

  1. Dagmar von Consolati:
    3. Juni 2009 um 12:01 Uhr

    Liebe Frau Birkner,

    das ist ja ein spannender Artikel, danke fürs Aufschreiben. Dieser Mensch hat es geschafft, (s)einen Mangel mit einer unvoreingenommenen Brille zu betrachten und so zum Wert für andere zu machen. Es wäre auch interessant, mal so etwas wie die “Alleinstellungsmerkmale” von Schwächen zu betrachten, oder?
    In dem, was Sie beschreiben, zeigt sich wieder mal, dass es keine Schwächen an sich gibt. Es lohnt sich, die Augen für die andere Seite von Schwächen zu öffnen: was wird dadurch möglich? Vielleicht wird ja gerade das ( oder ein Teilaspekt davon) gebraucht….

  2. Monika Birkner:
    3. Juni 2009 um 13:58 Uhr

    Liebe Frau von Consolati,
    genau darum ging es mir in dem Beitrag, weder Stärken noch Schwächen sind etwas Absolutes, sondern es kommt darauf an, was man daraus macht. Die “Alleinstellungsmerkmale” von Schwächen sind sicher eine nähere Betrachtung wert.

  3. Torsten Radtke:
    6. Juni 2009 um 21:51 Uhr

    Liebe Frau Birkner,

    im Rahmen einer Online-Suche zum Thema Social Entrepreneurship fand ich Anfang der Woche die Seite der Firma Specialisterne aus Dänemark. Diese wurde von Thorkil Sonne gegründet, dessen Sohn mit dem Asperger Syndrom, einer milden Form des Autismus, lebt. Menschen mit diesem Syndrom sind häufig Spezialisten auf einem Gebiet (Der Film “Rain Man” ist vielleicht noch bekannt, und Oliver Sacks schrieb in “Eine Anthropologin auf dem Mars” etwas hierzu). Nun,um diesen Menschen eine berufliche Zukunft zu bieten gab Sonne seinen Job auf und gründete die besagte Firma, deren Vision mit: “SPECIALISTERNE möchte Menschen mit AS eine Möglichkeit bieten, ihre speziellen Fähigkeiten zu nutzen und weiter zu entwickeln, aufbauend auf deren Qualifikationen, Stärken und Zielen” beschrieben wird.Das Unternehmen bietet somit spezialisierte Dienstleistungen auf dem ersten Arbeitsmarkt.In Deutschland gäbe es vermutlich eher einen Arbeitsplatz auf dem dritten Arbeitsmarkt, zumindest muß ein “behinderter” Mensch schon Glück haben einen resourcenorientierten Berater oder Begleiter zu finden. Denn es ziehen sich vermutlich nicht alle Menschen so innovativ aus dem eigenen oder gesellschaftlichen Sumpf. Vermutlich lesen diese auch nicht engagiert solche hervorragenden Seiten wie diese. Sollte also jemand auf dem Weg zur “dritten Stufe” sein, gerne auch vorher, so gibt es in unserem Land noch viel Entwicklungpotential für wahre Helden…..

  4. Monika Birkner:
    9. Juni 2009 um 15:17 Uhr

    Hallo Herr Radtke,
    das ist ein wundervolles Beispiel. Herzlichen Dank dafür. Mir tut es innerlich immer wieder weh, wenn Menschen mit einem Handicap sich selbst als “Behinderte” definieren. SPECIALISTERNE fokussiert sich auf die Möglichkeiten, nicht auf die Einschränkungen. Ich habe sofort die Website besucht:
    www.specialisterne.dk/html/german/home.h…

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