Vor kurzem habe ich eine Serie zum Thema “Veränderungen und Gefühle” gestartet. Heute geht es um Trauer. Wir verstehen, dass Trauer sich bei unerwünschten Veränderungen einstellt, zum Beispiel in Verlustsituationen. Wenig bewusst ist vielen, dass auch Veränderungen, die im Prinzip positiv sind, von Trauer begleitet werden können. Dabei spielt es nicht einmal eine entscheidende Rolle, ob wir die Veränderung selbst initiiert haben oder nicht.
Trauer in Veränderungssituationen kann sich auf Verschiedenes beziehen, zum Beispiel:
- auf den Abschied von Menschen, die ein Stück unseres Weges mit uns geteilt haben
- darauf, dass wir den Kokon verlassen, der uns bisher Schutz und heimelige Wärme gewährt hat
- auf das Schöne, das wir hinter uns lassen
- auf die Fehler und Irrtümer, die wir begangen haben
- auf das bisher nicht Gelebte und die Einsicht, dass die Vergangenheit nicht mehr rückgängig zu machen ist.
Der Umgang mit Trauer fällt vielen nicht leicht, speziell wenn sie gegen alle Regeln der Logik eintritt.
Folgende Überlegungen mögen hilfreich sein:
- Bereits das Wissen darum, dass Trauer natürlicher Bestandteil jedes Veränderungsprozesses ist – mal mehr, mal weniger – kann dazu beitragen, gelassener damit umzugehen. Es geschieht nichts Abornmales und niemand muss um seine psychische Gesundheit fürchten.
- Je besser Trauer fließen kann, desto schneller sind wir jenseits der Trauer angelangt. Sie liebevoll anzunehmen, kann dazu ein erster Schritt sein. Manche Menschen fürchten, in Tränen zu zerfließen, wenn sie Trauer zulassen. Meine Erfahrung ist, dass wir gewisse Selbstregulationsmechanismen in uns haben und immer nur das auftaucht und etwas nur in dem Maße auftaucht, wie wir es verarbeiten können.
- Trauer- und Abschiedsrituale können den Prozess sehr unterstützen. Ein bewusster Rückblick und die Würdigung der Vergangenheit können dazu gehören. Das Gleiche gilt für einen Dank an Menschen, die uns wichtig waren oder auch an unseren Schöpfer. Klärung von Beziehungen, Entrümpeln auf physischer Ebene, Abschiedszeremonien – alles das sind Möglichkeiten, Trauer zu integrieren, sie sein zu lassen und dann hinter sich zu lassen.
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