“Der Kunde ist König” wird jedem, der sich selbstständig machen will, eingebläut. Da der Kunde die Rechnung bezahlt, macht dieses Konzept vermeintlich Sinn. Doch dieses Konzept kann einen hohen Preis für den Unternehmer/die Unternehmerin haben, nämlich Erschöpfung, Burn-out und sogar negative finanzielle Konsequenzen.
Der Wunsch, Kunden zufrieden zu stellen, ist im Prinzip sinnvoll. Doch die Motivation hinter diesem Wunsch kann unterschiedlich sein.
Für manche Unternehmer/innen ist es ein Herzensanliegen, für ihre Kunden da zu sein und ihnen sozusagen alle Wünsche von den Augen abzulesen.
Negative Motivation für das Bemühen um Kundenzufriedenheit?
Doch oft genug verbirgt sich hinter dem Bemühen um Kundenzufriedenheit in erster Linie die Angst, andernfalls den Kunden zu verlieren. Und sehr häufig lässt sich – gerade bei Unternehmerinnen – ein hochgradiger Mangel an Selbstwertschätzung erkennen, der dazu führt, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse in chronischer Weise vernachlässigen, sie oft gar nicht wahrnehmen oder aber zumindest nicht die Klarheit und den Mut aufbringen, diese in angemessener Weise durchzusetzen.
Kurzfristig mag das funktionieren. Doch auf Dauer bekommt das niemandem.
Die Negativspirale
Es kann dazu führen, dass man oder frau das Gefühl hat, die Kunden würden immer nur nehmen und sie seien dem hilflos ausgeliefert. Dass jede Kundenanfrage als Bedrohung erlebt wird. Dass sich unmerklich Unlust und sogar Groll aufbauen und eine Negativspirale in Gang gesetzt ist.
Wenn es soweit gekommen ist, sagt man oder frau sich vielleicht, es müssten Grenzen gegenüber dem Kunden gesetzt werden. Doch das kommt einer Beschneidung des realen oder gefühlten Besitzstandes gleich, die für keine Seite angenehm ist. Also unterbleiben diese Versuche über kurz oder lang und man/frau grollt weiter vor sich hin, insgeheim hoffend, nicht allzu vielen Kundenwünschen begegnen zu müssen.
Auf Dauer kann das nicht gutgehen. Entweder leidet das eigene Wohlbefinden, die eigene Gesundheit oder – und das ist meist nur eine Frage der Zeit – auch das gesamte Business. Denn egal wie freundlich man oder frau sich nach außen verhält – die inneren Gedanken und Gefühle werden ebenfalls transportiert.
Was tun?
Sich selbst wichtig nehmen
Der erste Schritt besteht oft darin, sich selbst mit mehr Liebe, Respekt und Wertschätzung zu begegnen. Sich die eigenen Bedürfnisse klar zu machen und das Business so zu organisieren, dass es diesen Bedürfnissen Rechnung trägt.
Oft geht es dabei gar nicht um großartige Dinge. Es kann schon ausreichen, eine längere Mittagpause zu machen und in der Zeit ins Fitness-Studio zu gehen. Oder feste Regeln einzuführen, bis wann man oder frau telefonisch zu erreichen ist. Oder an einem Tag in der Woche früher frei zu machen.
Es kann auch bedeuten, bestimmte Aufträge nicht anzunehmen oder nachzuverhandeln. Auf jeden Fall ist es günstiger, von vornherein bestimmte Regeln einzuführen, als im nachhinein zu versuchen, Grenzen zu ziehen.
Erstaunlicherweise reagieren Kunden oft durchaus positiv, wenn man/frau eine klare, aber liebevolle Position bezieht und zum Beispiel zu Terminen am Wochenende oder spät abends nicht zur Verfügung steht. Oft genug können die Kunden es auch anders einrichten. Oft genug akzeptieren sie, dass für Zusatzleistungen auch eine zusätzliche Bezahlung erfolgt.
Ist das nicht egoistisch?
Der wesentliche Begriff dabei ist “liebevoll”. Es geht nicht um puren Egoismus, sondern darum, wie man/frau dauerhaft in der Lage bleibt, in gutem Zustand zu sein und gute Leistungen zu erbringen. Es lässt sich nur aus einem vollen Gefäß etwas geben. Es geht nicht darum, sich gegen Kundenwünsche zur Wehr zu setzen, sondern echte Win-Win-Situationen zu schaffen. Es geht darum, sich selbst und den anderen mit Respekt und Wertschätzung zu behandeln. Das ist eine wesentlich stabilere Basis für nachhaltigen Erfolg, als wenn man sich selbst – bildlich gesprochen – zum Putzlappen macht.
Liebe im Business
Und es muss noch nicht die letzte Stufe sein. Es gibt eine weitere Stufe, auf der es möglich ist, bewusst und aus vollem Herzen eigene Bedürfnisse und Interessen zugunsten eines anderen zurückzustellen. Doch nun geschieht es nicht mehr aus Angst, einen Kunden zu verlieren oder aus Mangel an Selbstrespekt. Sondern nun geschieht es aus echter Liebe, wobei sich Liebe zu sich selbst, Liebe zum Kunden und Liebe zur Arbeit gar nicht mehr richtig unterscheiden lassen, weil alles, was man für den Kunden tut, gleichzeitig etwas ist, das man für sich selbst tut und umgekehrt.
Doch um diesen Zustand zu erreichen, ist es oft erforderlich, erst einmal sich selbst lieben zu lernen, sich selbst mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen.
Alle 10 bis 14 Tage neu: Mein Business Transformation Letter.












11 Kommentare
DANKE!SIE HABEN MIR AUS DEMK HERZEN GEWSPROCHEN: Ja, diese Sichtweise habe ich mir inzwischen auch angewöhnt, denn mit dem “Kaiser-König-Kunden” hatte ich so meine Erfahrungrn gemacht.Beispiel: Sonntag früh 8.00 Uhr ein Anruf über eine sehr belanglose Mitteilung, die weder dringend noch unaufschiebbar gewesen wäre. Außerhalb der Sprechzeiten auftauchen im Privatbereich (21.15 Uhr oder 7.30 Uhr). Solche Dialoge: Ich:” Oh, ich bin nicht empfangsbereit, habe mir gerade die Haare gewaschen. Kommen Sie doch zur Sprechzeit.” Antwort: “Mich ( Kunde) stört das nicht und SIE sind doch DA, also können mich empfangen.” waren (fast) erniedrigend.
Weiteres Beispiel: Kunde:”Ich brauche DRINGEND!!!! ein Angebot.” Ich sage den Kinoterminab,arbeite Varianten aus und sende alles schnellstens ab. Nach einigen Tagen erhalte ich beim telefonischen Nachfassendiese Antwort: “Ach ja, na eben, ich bin noch gar nicht zum Öffnen des Briefes gekommen.”
Da fühlt man sich als der Putzlappen.
Der Kunde hatte insofern Recht, weil ich damals mit dem Satz warb, dass ich rund um die Uhr erreichbar sei. Allein diese Aussage mindert den eigenen Wert, führt zu der genannten Negativspirale mit allen genannten Erscheinungen. Ich brach komplett ausgesaugt und ausgelaugt im Jahre 2006 zusammen. Jetzt begann ich einen neue Selbstständigkeit und meine Kunden verstehen, dass ich auch eine Familie, ein Privatleben und Bedürfnisse haben. Freundliche konkrete Aussagen über Erreichbarkeiten, Nutzung des Anrufbeantworters mit zuverlässigem Rückruf meinerseits, notfalls nach Vereinbarung extra für den Kunden da zu sein, führten zu keinem Kundenschwund. Ich spüre, dass die Achtung mir gegenüber gestiegen ist. Wie schön ist es zu hören: “Darf ich noch zu Ihnen kommen. Nehmen Sie mich noch auf?” ALLES unter dem Punkt “Sich selbst wichtig nehmen” unterstreiche ich dick. Sie schreiben, dass es darum geht, sich und den anderen wertzuschätzen… Ich meine, dass das auch für den Kunden im Verhältnis zum/r Unternehmer/in gelten muss. Wenn Menschen dazu nicht bereit sind und Service, Dienstleistung, Leistung überhaupt nicht anerkennen wollen, dann sind dies nicht meine Kunden, aber das ist schon ein neues Thema.
Leider habe ich während des Korrekturlesens auf
die Sendetaste gedrückt. Entschuldigung.
liebe frau birkner,
ich reagiere gerne auf diesen newsletter, da sie das angesprochen haben, das ich selbst erfahren habe.
es ist mir damit nochmals mein weg bewusst geworden, warum ich “krank” wurde, totale überforderung meinem unternehmen (und gästen) und meinem partner gerecht zu werden. heute – mit all den erkenntnissen der letzten jahre und entwicklungen – kann ich besser damit umgehen und kann trotz mehrarbeit (mein partner und ich haben uns getrennt) mit einer stabileren körperlichen, geistig und seelischen “gesundheit” meinen weg gehen.
trotzdem bin ich noch nicht da angelangt wo ich
wirklich hin möchte, nämlich alles mit leichtigkeit zu erledigen – und für ruhephasen, die ich brauche kein schlechtes gewisssen produziere.
nun reagiere ich auch gleich noch auf das 40 tage experiment, das ich bisher nicht so richtig mitmachen konnte. es erfordert momentan noch zuviel zeit, um mich intensiver damit zu befassen. ich kann erst abends darauf einsteigen und stelle fest, dass ich zu müde bin, um zu schreiben, reflektieren und vergesse darüber die gruppenübung. auch bei den telefoncoachings war ich ja noch nicht dabei (sowie keine vorstellung und einsicht in das forum), da ich mich für gästeanreisen nicht ausklinken kann (bin ein “1-frau” solounternehmen.
somit habe ich zwischendurch schon groll auf mich entwickelt, das ich mich auf diese 40 tage eingelassen habe, obwohl ich von meiner engen zeit wusste. aber ich hatte es ja bereits erwähnt in meiner anmelde mail, dass ich denke dass hat was mit meinem verhältnis zu geld zu tun und dem boykott.
ich hoffe dass das “experiment” in bezug auf mein verhältnis und gedanken um geld eine lösung bringt und ich bald “aktiver” mitmache.
danke für ihre mails und engagement, manchmal frage ich mich wie sie eine solch große gruppe bewältigen und wünschte mir eine kleinere – für intensiveren kontakt,
herzliche grüße aus rügen
susanne schneider
Liebe Christine,
danke schön für Ihren Erfahrungsbericht. Ich freue mich, dass es Ihnen gelungen ist, aus Ihren damaligen Erlebnissen die Konsequenzen zu ziehen und dass Sie damit gut fahren.Besonders gut gefällt mir Ihre Beobachtung, dass die Achtung Ihnen gegenüber gestiegen ist. Es zeigt wieder einmal,
dass eine gesteigerte Selbstwertschätzung und ein dementsprechender Umgang mit sich selbst letztlich allen Beteiligten gut tut.Denn letztlich ist es auch aus Kundensicht angenehmer, mit jemandem zu arbeiten, den man achtet und respektiert.
Liebe Frau Schneider,
danke schön, dass Sie Ihre Erfahrungen mitteilen. Ihr Kommentar zeigt, dass der Schritt von der Erkenntnis zur tatsächlichen Änderung nicht immer einfach ist, vor allem, wenn man ein Solo-Unternehmen betreibt, das noch dazu, wie in Ihrem Fall, viel Kundenkontakt umfasst. Zum 40-Tage-Experiment ist vielleicht meine heutige Mail hilfreich. Ansonsten können wir uns gern noch einmal außerhalb dieses Weblogs dazu abstimmen, wie Sie trotz Ihrer Belastungen möglichst viel aus dem Experiment gewinnen.
dank der arbeit mit ihnen, liebe frau birkner, habe ich die arbeit mit meinen patienten deutlich optimieren können. für beide seiten. der freitag gehört jetzt nicht mehr der präsenzsprechstunde, sondern mir. für neue ideen, arbeit an neuen konzepten, verbesserungen. für mich sehr wichtig, das zeitlich zu entzerren.
Liebe Frau Dr. Schons,
über diese Erfolge freue ich mich sehr, vor allem, wenn ich daran denke, welche wunderbaren Angebote für Ihre Patienten daraus schon entstanden sind und weiter in Vorbereitung sind. Ein typisches Beispiel dafür, wie es allen zugute kommt, sich selbst genug Raum zu geben.
Herzliche Grüße
Monika Birkner
Hallo Frau Birkner,
einen kurzen Erlebnisbericht zum Thema:
Vor einiger Zeit war ich in einem Möbelhaus.
Ein Ehepaar wartet, wirklich nur kurze Zeit, auf das Personal. Da erschien eine Verkäuferin, mit allen netten Anstandsregeln.
Das erste was Kunde sagte: “Ich denke bei ihnen ist der Kunde König!”
Die Verkäuferin erstarrte und war sprachlos.
Da konnte ich mich nicht zurückhalten:
“Wenn der Kunde wie ein König behandelt werden möchte, dann soll er sich bitte so verhalten, wie ein König!”
Ein weitere Kunde, der ganz in der Nähe stand, gab dazu einen Beifall, und die Verkäuferin ein herzliches Danke.
Jetzt war der Kunde ohne Worte.
Vielleicht hilft es, an sein Geschäft eine Tafel zu hängen, mit der Aufschrift:
“Hier werden Sie behandelt wie ein König, wenn Sie sich verhalten wie ein König”!
An meiner Tür steht ganz groß:
“Bitte lächeln und eintreten”
Es hat bisher immer funktioniert.
Gruß
Norbert
liebe frau birkner,
ihre zeilen zum thema eigene wertschätzung bestätige ich gerne aus eigener erfahrung und eigener (selbst)forschung. ich denke, dass das thema “selbstwert” und vor allem “weiblicher selbstwert” ein maßgeblicher schlüssel für die bewältigung der herausforderungen unserer zukunft in allen aspekten des lebens und arbeitens, für familie, politik, wirtschaft und gemeinschaft ist. mehr dazu wird zukünftig auf meiner homepage zu lesen sein. ich persönlich übe mich schon viele jahre darin, meine “wahren” bedürfnisse zu spüren, anzuerkennen und ihnen raum zu geben. denn was wirklich “wahr und mein” ist, wollte auch erst einmal herausgefunden und geübt werden. für mich war und ist ein einfacher tipp einer wunderbaren psychologin sehr hilfreich. auf meine frage, “woher weiß ich denn, was mir wirklich gut tut, was mein ureigenes bedürfnis ist, wo ich doch viele jahre ganz anders programmiert war?”, sagt sie ganz einfach: schau, was dir freude macht, alles andere ist nicht deine wahrheit. peng, das saß und wollte erst mal geglaubt und probiert werden. zugegebener maßen, eckte ich mit diesem verfahren im anfangsstadion bei mir selbst und vielen anderen auch schon mal heftig an. dies, sowohl privat als auch im business. es war zu unglaublich, dass es so einfach sein sollte. “da könne, ja jeder kommen und es sich gut gehen lassen, war oft die irritierte und auch ärgerliche antwort” ! stimmt! sagte ich nach vielen jahren übung mit überzeugung. das wäre wirklich das beste, was jeder einzele tun könnte! dann würde unsere welt ganz anders aussehen. ich habe niemals vorher so gerne, aus vollem herzen, und voller energie, menschen raum, verständnis, liebe oder auch einfach nur ein gutes essen und schönes ambiente geben können wie nun, nachdem ich gelernt habe, es mir selbst auch geben zu können. und ein echter, authentischer austausch mit menschen, die ebenfalls ihre gesunden grenzen ziehen und geben, wenn sie wirklich lust und kraft zu geben haben, finde ich persönlich am schönsten und leichtesten und dies gerade auch im business ob ich nun kunde oder anbieter bin.
danke ihnen, liebe frau birkner für ihre immer wieder inspirierenden, und oftmals mutigen newsletter-themen!
herzliche grüße und viel selbstliebe ihnen allen!
Lieber Herr Glaab,
“bitte lächeln und eintreten” gefällt mir. So ein Spruch passt an jede Tür.
Herzliche Grüße
Monika Birkner
Liebe Frau Brausam-Hansen,
herzlichen Dank für Ihr Feedback zu meinem Newsletter/Artikel sowie für Ihre persönlichen Erfahrungen.
Viele Menschen – und speziell Frauen – befürchten, als egoistisch abgestempelt zu werden, wenn sie ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen. Wahrnehmen meine ich hier im doppelten Sinne: sie erkennen und dafür su sorgen, dass sie erfüllt werden.
Wenn jemand aus Liebe geben kann, ist es wunderbar. Dann ist auch Freude damit verbunden. Doch wenn jemand aus schlechtem Gewissen oder aus Angst gibt, tut das meist beiden Seiten nicht gut. Berühmt ist die Geschichte der Eheleute, die nach einigen Jahrzehnten feststellen, dass sie die ganze Zeit darüber im Irrtum waren, welche Brötchenhälfte der jeweils andere am liebsten hatte. Hätten Sie frühzeitiger darüber gesprochen, hätten sie ihre gemeinsamen Frühstücke vielleicht noch mehr genossen und dem jeweils anderen eine echte Freude machen können, nicht nur eine vermeintliche.
Was ich immer wieder erlebe: jeder Mensch, der sich authentisch verhält, macht vielen anderen Mut, es ebenfalls zu tun.
Danke schön für Ihre Hinweise.
Herzliche Grüße
Monika Birkner
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