Monika Birkner

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Küchenlose Wohnungen oder: Vom Umgang mit Trends

Von Monika Birkner | Dienstag, 11. November 2008

In New York werden ganze Wohnhäuser ohne Küchen gebaut, weil immer mehr Menschen auswärts essen. Sie lassen sich entweder beliefern, gehen ins Restaurant, in die Kantine oder essen – wie es auch bei uns zu einem gewohnten Anblick geworden ist – unterwegs. Was bedeutet solch ein Trend für die eigene unternehmerische Positionierung? Das Großunternehmen Nestlé hat, wie die FAZ vom heutigen Tage berichtet, aus den neuen Entwicklungen bereits Konsequenzen gezogen und hat den Bereich “Außer-Haus-Verpfllegung” zu einem der drei Wachstumsfelder für die kommenden Jahre ernannt neben den beiden anderen Feldern “Schwellenländer mit steigenden Bevölkerungszahlen und zunehmendem Wohlstand” sowie “Ernährung mit gesundheitlichem Zusatznutzen”.

Neue Trends können auch Chancen für Solo- und Kleinunternehmer und andere Selbstständige bieten.Die küchenlose Wohnung ist dabei nur ein Beispiel. Es gibt zahllose andere Trends.

Um wirklich von einem Trend zu profitieren, sind einige Punkte zu beachten, unter anderem:

1. Auf welche Weise beoabachten Sie Trends? Möglichkeiten sind zum Beispiel die Lektüre von einschlägigen Magazinen, Weblogs, Auswertung von eigenen Beobachtungen, Einsatz von Trendscouts und vieles mehr.

2. Beobachten Sie nur Ihren eigenen Markt oder auch allgemeine Trends? Allgemeine Trends können über kurz oder lang Märkte ändern. So hat der Verkauf von Non-Food-Produkten durch Lebensmitteldiscounter und Kaffeeröster die gesamte Handelslandschaft verändert.

3. Wie bewerten Sie Trends? Nicht alles, was als Trend deklariert wird, ist wirklich ein Trend. Manchmal sind es nur kurzfristige Moden.

4. Wie reagieren Sie auf einen Trend, den Sie als wichtig einstufen? Wie ändern Sie Ihre Angebote und Ihre generelle Positionierung? Stellen Sie Ihre Zukunftskompetenz besonders heraus oder positionieren Sie sich Ihren Kunden eher als jemand, der erst dann auf einen Zug aufspringt, wenn dieser bereits eine Weile rollt?

5. Wichtig ist auch das Timing. Die Medien sind der Zeit oft voraus. Sie haben beispielsweise den demografischen Wandel schon zum Trend ausgerufen, als nur einzelne Vorzeigeunternehmen sich damit befassten. Wenn Sie zu früh einsteigen, ist erst noch  viel Aufklärungsarbeit nötig.Die demografische Entwicklung ist dafür ein gutes Beispiel. Wenn Sie zu spät sind, erzielen Sie eher den me-too-Effekt. Ein Beispiel dafür sind Hotels mit Wellness-Angeboten.

6. Noch eine Frage für Pioniere: Wie können Sie einen eigenen Trend schaffen? Denken Sie einmal an Ikea. Oder an die Simplify-your-Life-Bewegung . Oder an die Begründer des NLP, Richard Bandler und John Grinder.

Welche Trends für Sie relevant sind und wie Sie damit am besten umgehen können, kann übrigens auch eines der Themen eines Wachstumstages sein.

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2 Leserkommentare zu “Küchenlose Wohnungen oder: Vom Umgang mit Trends”

  1. Doc Sarah:
    12. November 2008 um 00:20 Uhr

    über nestlé möchte ich mich lieber nicht äussern..
    und die vorstellung von wohnungen ohne küche – also simplen schlafplätzen – kann ich mir grad mal für ein trekking vorstellen – aber selbst da gibts biwak-feuer und kochstellen.
    muss eine industrie, eine firma, die “gesellschaft” jedem sich abzeichnenden trend folgen und ihn verstärken? oder ist gegensteuern nicht manchmal sinnvoller?
    gerade bei der ernährung möchte ich da nichts, aber auch gar nichts vom codex alimentarius (see: www.doc-sarah-schons.de/blog/?s=codex) und konsorten verwalten lassen. das artet schnell in zwangsernährung aus, die wir hier eh schon haben dank EU…
    fazit: nicht jeder trend ist gut. nicht jeder trend ist verfolgenswert. und wenn ein trend zum kult wird – siehe NLP – gibts leider viele “trittbrettfahrer”, die ihn wieder ad absurdum führen. so bereinigt sich der markt. leider oft mit kollateralschäden für die weniger informierten “verbraucher”.
    sicher suchen menschen immer eine peer-group – aber im ernst: wie individuell ist eine ikea wohnung ohne küche, die auch noch nach “simplify your life” vom NLP-lisierten bewohner entrümpelt wurde?!
    wenn trends zur “uni-form” werden graust es mich…

  2. Monika Birkner:
    15. November 2008 um 13:10 Uhr

    Liebe Frau Dr. Schons,
    dass küchenlose Wohnungen auf Dauer funktionieren, glaube ich auch nicht, weder aus praktischen Gründen, noch deshalb, weil die Feuerstelle – auch wenn es heute ein elektronikgesteuerter Herd ist – aus meiner Sicht fast archetypischen Charakter hat.
    Küchenlose Wohnungen sind sicher ein Beispiel, wie man einen Trend übertreiben kann. Sorry, dass ich das in meinem Beitrag nicht klar genug gemacht habe.

    Gleichwohl gibt es einen Trend zum Essen und Trinken (”coffee to go”) außer Haus und ich denke, ein Nahrungsmittelkonzern ist gut beraten, sich darauf einzustellen. In der Regel stehen in Großunternehmen erhebliche Ressourcen für derartige Themen zur Verfügung.

    Kleinere Unternehmer scheinen mir oft so im Alltagsgeschäft verheddert, dass der Blick auf größere und langfristige Entwicklungen zu kurz kommt. Regelmäßige Auseinandersetzung mit der eigenen Strategie bleibt für viele ein frommer Wunsch. Und wenn sie doch stattfindet, erfolgt dabei nicht zwangsläufig auch eine systematische Auseinandersetzung mit wichtigen Trends.

    Das Bewusstsein dafür zu schärfen, war die Zielrichtung meines Beitrages.

    Das heißt nicht – das sehe ich genauso wie Sie _, dass man jedem Trend blindlings folgen sollte. Das eigene Urteilsvermögen sollte dabei nicht auf der Strecke bleiben.

    Das gilt umso mehr, als es zu vielen, wenn nicht sogar allen Trends auch einen Gegentrend gibt. Es kann sogar sinnvoller sein, sich auf den Gegentrend zu konzentrieren, wenn das besser zur eigenen Ausrichtung passt.

    Am Beispiel des Essens außer Haus kann das bedeuten, zwar weniger selbst zu kochen, dafür aber das Kochen sowie heimische Mahlzeiten zu zelebrieren.

    Besonders spannend ist die Kombination von Trends. Wie lassen sich etwa Essen außer Haus und gesundheitsbewusste Ernährung kombinieren? Oder Essen außer Haus und das Bestreben nach Individualität? Oder Essen außer Haus und demografische Entwicklung?

    Sich gezielt mit derartigen Fragestellungen zu befassen, kann gerade auch für Solo- und Kleinunternehmer eine Quelle innovativer Ansätze sein, wie es sie ja auch schon gibt und die man weiter entwickeln kann. Beispielsweise kann ich mir vorstellen, dass

    * Ernährungsberater spezielle Kurse für außer Haus-Esser anbieten
    * Bäckereien und Kioske auch Obst und Gemüse verkaufen, das schon geschält und geschnitten ist
    * Restaurantbesitzer gesellige und gesunde Mahlzeiten für alte Menschen anbieten, entweder vor oder nach den Business Lunches. Damit könnte gleichzeitig eine größere Auslastung erreicht werden.

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Er hat geholfen, hoffentlich etwas klarer darzustellen, worum es mir geht.

    Herzliche Grüße
    Monika Birkner

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